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Ärzteschaft

Ärztekammer Westfalen-Lippe gegen Einsatz von Honorarärzten

Montag, 25. Januar 2010

Münster – Der zunehmende Ärztemangel in den Krankenhäusern reißt Lücken, die die Patientenversorgung gefährden. Darauf weist die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) hin. Gleichzeitig kritisiert ÄKWL- Präsident Theodor Windhorst, dass Krankenhäuser zunehmend versuchen, diese Lücken mit so genannten Honorarärzten zu schließen.

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„Die Krankenhäuser bezahlen dafür gleich in mehrfacher Hinsicht einen hohen Preis. Einerseits liegen die Honorare der freiberuflich tätigen Ärzte mit Stundenlöhnen bis zu 100 Euro deutlich über denen fest angestellter Ärzte“, so Windhorst. Andererseits käme mancher stationäre Facharzt durch den Kontakt mit den Leihärzten selbst auf den Geschmack und kündige, um selbst als Freelancer tätig zu werden.

Zudem birgt die Beschäftigung von Honorarärzten auch organisatorische Risiken: „Sie kennen die Organisationsabläufe im Krankenhaus nicht so gut, was zu Kommunikationsproblemen und Missverständnissen führen kann“, warnt der Kammerpräsident.

Auch volkswirtschaftlich sei das Phänomen der Honorarärzte bedenklich. Vermittlungsgesellschaften wie "Hire a Doc" oder "Doc-to-rent" verdienten mit Provisionen für die Vermittlung viel Geld und entzögen so der Patientenversorgung weitere dringend benötigte Finanzmittel. © hil/aerzteblatt.de

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rkonline
am Dienstag, 12. Januar 2010, 21:49

Geldentzug? Die Position eines Honorararztes

Ohne Zweifel ist es keine wünschenswerte Entwicklung, die zum Berufsbild des KV- und krankenhausunabhängigen Honorararztes geführt hat. Das gilt auch für Länder, die uns das schon lange vorleben. Die an herausragender Stelle daran Beteiligten sitzen aber an ebenso herausragenden standes- und gesundheitspolitischen Schaltstellen und haben diese Entwicklung initiiert, vorangetrieben und die Ergebnisse dann im Gesundheitswesen zementiert. Und nun beklagen sie sich über das Ergebnis? Das ist geradezu unglaublich. Wer hat nach Kräften privatisiert, fallpauschaliert, "Wettbewerb" gestärkt, die Pharmaindustrie in Deutschland ins Paradies katapultiert usw.usf.? Das alles mit Hilfe eines approbierten Sklavenheeres, welches ähnlich dem mittelalterlichen Bauern zur Fron verpflichtet sein soll?(Von den Pflegekräften soll hier keine Rede sein, aber sie gehören genauso dazu.) Bevor irgendein sogenannter Vertreter unseres Berufes es wagt anzuprangern, dass die Agenturen Geld der Patientenversorgung entziehen, ist er schon aus Gründen der Berufsehre verpflichtet, andere Fragen zu stellen. Woher kommen die Gewinne der privaten Krankenhausbetreiber, die unverfroren an den Krankenkassen/versicherungen vorbei an die Eigner gezahlt werden? Immerhin können Gewinne nur aus den Zahlungen der Versicherungen entstehen, Einsparungen müssen dann an diese zurückgehen. Die direkte Umwandlung von zwangseingezogenen Versicherungsgeldern in private Gewinne ist kriminell, und sie entsteht durch die vollkommen amoralische Ausbeutung der Beschäftigten im Gesundheitswesen. Mit politischer Billigung, natürlich. Weiter im Text- wieviel Arbeitsstellen kann man finanzieren, indem man die horrenden Honorare von Personalermittlungsfirmen einspart, die besonders in privaten Häusern ständig antichambrieren und ihre Dienste bei der sogenanten Planstellenermittlung anbieten? Wie die Ergebnisse sind, ist klar, und falls doch jemand für sein Honorar den wahren Bedarf ermittelt, wird dies für tausende Euro- ignoriert! Das habe ich selbst erlebt. Wer profitiert von der vollen Mehrwertsteuer auf Medikamente? Das ist nur eine Auswahl, wer der Patientenversorgung Geld entzieht. Mit Sicherheit ist es nicht die Arztagentur, die nichts weiter tut, als Bedarf und Ressourcen miteinander zu vereinigen. Diese Leistung ist weder sittenwidrig noch ungewöhnlich, und das, was sie kostet, spiegelt samt dem eigentlichen Honorar nur den tatsächlichen Wert der vermittelten Sache wider. Das ist Marktwirtschaft!!! Ich denke, die haben wir, oder etwa nicht? Die Leistung des Arztes ist teuer, unter anderem weil sie mit höchster Verantwortung verbunden ist und weil sie eben nur wenige leisten können und dürfen. Im Gegensatz zu vielen Jobs in Politik und Wirtschaft. Und wer etwas Notwendiges und Begehrtes erbringen kann, verkauft sich teuer. Zu nichts anderem hat man den Arzt in Deutschland erzogen, und nun, wo er es verstanden hat und anwendet, ist er plötzlich die dunkle Seite der Macht?
Die deutsche Ärzteschaft sollte jedem einzelnen Honorarzt dankbar sein, denn diese haben es endlich geschafft, den wahren Wert ärztlicher Tätigkeit legal, elegant und schlüssig offenzulegen. Das dient allen Ärzten, seien sie niedergelassen oder angestellt. Die durchsichtige Stimmungsmache ist nur das Geschrei der bisherigen Profiteure des gigantischen "Gesundheitsmarktes" und ist bereits vor mehr als 200 Jahren von Goethe im "Zauberlehrling" beschrieben worden...
Jockel
am Dienstag, 12. Januar 2010, 15:02

Erdnüße

Was soll man dazu sagen?
Ganz früher bekam man für Erdnüße Ärzte.... dann bekam man für Erdnüße nur Affen... und jetzt? Bekommt man für Erdnüße eben niemand mehr.

Das mag Herrn Windhorst nicht gefallen und das mag auch einigen (nicht allen!) Chefs nicht gefallen.

Wir sind so lange getrietst worden, so lange "geknechtet" worden, daß wir uns eben anderweitig umgesehen haben.

Erst wollten sie uns nicht und jetzt jammern sie, weil sie uns brauchen.

Und sie versuchen es immer noch. Ich bekomme Angebote auf den Tisch, die sind lächerlich. Und wenn man dann die Lächerlichkeit anprangert, wird die beleidigte Leberwurst gespielt.

Früher mußten wir uns bei den Krankenhäusern bewerben.
Jetzt müßten sich die Krankenhäuser bei UNS bewerben.
Und das mögen Chefs und Verwaltungen GAR NICHT.

Tja, Herr Windhorst und liebe Chefs. Die Suppe habt ihr euch eingebrockt.

Arbeit kostet Geld. Das müßt ihr nun eben lernen. Da hilft euch alles Gekeife nicht.

Wir sind Schuld an der Misere?
Wir haben lange für einen Appel und ein Ei unsere Freizeit und unsere Gesundheit geopfert, haben Nachtdienste geschoben, daß unsere Kinder uns kaum noch kannten. Daß unsere Frauen uns verließen.
Und wir sollen Schuld sein?

Weil wir ehrlichen Lohn für ehrliche Arbeit wollen? Weil wir keine 80 Stunden die Woche mehr für ein lachhaftes Gehalt arbeiten wollen?
Wir sind ja sooo gemein.
Erst wollten wir "normale" Arbeitszeiten. Dafür mußten wir erst nach Brüssel und dann hier vor Gericht gehen. Hat euch da auch nicht wirklich gejuckt.
Dann haben wir gestreikt und waren dann auch die Bösen. Hat auch nicht viel geändert.
Ihr habt uns Urlaubsgeld und Weihnachtgeld gestrichen, habt Überstundenkonten überlaufen lassen.
Und wir sollen Schuld sein?

Wir haben mit den Füßen abgestimmt, sind ins Ausland, sind zu den Pharmafirmen oder in die Wirtschaft gegangen. Dann habt ihr gemerkt, daß ihr uns ja braucht, nachdem eure grandiose Idee, Ärzte aus dem Ausland zu holen nicht so recht geklappt hat.

Ja, die angestellten Kollegen kommen auf den Geschmack. Kriegen große Augen. Und wollen dann wissen, wie das geht.

Ihr wolltet mehr Wettbewerb in der Medizin und meintet damit weniger Geld.
Jetzt habt ihr den Wettbewerb.

Daran sind nicht wir schuld.
Daran seid ihr Schuld.

Ihr habt uns ausgequetscht und wenn wir uns nicht mehr ausquetschen lassen, sind wir Schuld?

Ich glaube nicht, Tim.

Jockel
nicolaischaefer
am Dienstag, 12. Januar 2010, 12:02

BV-H e.V. - Wir sind fassungslos!

Endlich ist es raus und die wahren Schuldigen sind enttarnt! Honorarärzte und Vermittlungsfirmen entziehen der Patientenversorgung das Geld und sind damit offensichtlich Schuld an der Misere im Gesundheitswesen. Diese Behauptung ist einfach so unglaublich dreist und intelligenzlos, dass man kaum ernsthafte Worte finden kann. Gut, dass Ärztekammerpräsidenten, wie Herr Dr. Windhorst, ehrenamtlich und selbstlos auf diesen Umstand aufmerksam macht und auch sonst keiner im Gesundheitswesen am Geld der Patienten mitverdient. Wir sind fassungslos! Ich schlage einen sofortigen Streik aller Honorarärzte in Westfalen Lippe vor, damit sich dieser Bezirk mit den dann frei werdenden Milionen endlich wieder auf die Patientenversorgung konzentrieren kann. Nur eins möchte ich an dieser Stelle noch klarstellen: Eine Ärztekammer ist auch verpflichtet die Interessen ihrer Mitglieder wahrzunehmen. Wieviele Honorarärzte gibt es eigentlich bei der Kammer in Westfalen-Lippe? Ich hoffe, dass Herr Windhorst das ebenfalls weiss - Dr. Nicolai Schäfer (Bundesverband der Honorarärzte e.V.)
jetfriend
am Montag, 11. Januar 2010, 08:45

nachtrag:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/39586/KV_Nordrhein_beklagt_sinkende_Arzthonorare.htm

ätsch.....
jetfriend
am Montag, 11. Januar 2010, 08:44

Wenn man nicht den Anästhesisten für 80 - 100 Euro bezahlen will

steht halt das OP Team bezahlt und untätig rum. Es gibt genug große Kliniken um die 800 Betten, die ohne Leihärzte um 1/3 stillstehen würden.
Und wenn die Kliniken ihre Ärzte ordentlich bezahlen und behandeln würden, gäbe es das sog. Problem nicht. Leihärzte die die Lösung des Problemes, das Ärztekamern und Chefärzte in den letzten Jahren erzeugt haben.

Und was die Pat. gefährdung angeht: ich galube, die Kliniken haben oft weniger probleme mit gute motivierten, teureren (?) Leihärzten als mit § 10 Knechten.....

Und auf der Homepage der ÄK Westfalen Lippe steht ein interessanter Schlussatz: Ann den Honoraren zeigt sich der wahre (markt) Wert ärztlicher Tätigkeit. HiHi
Privatpatient
am Sonntag, 10. Januar 2010, 18:03

@Genugtuung: Rache ist süß




@ Beitrag:
>> fika am Sonntag, 10. Januar 2010, 16:41 Genugtuung<<

Ich kann Ihre Gefühle gut nachvollziehen. Als ich mein Studium abgeschlossen hatte, herrschten in meiner Branche (bin kein Mediziner) ähnliche Zustände für Berufsanfänger wie sie für medizinische Berufsanfänger Ende der 90er/Anfang der 2000er Jahre geherrscht haben. Wir mussten uns bei Bewerbungen ähnliche Sprüche anhören und wurden ähnlich mies, teilweise demütigend behandelt, wie anscheinend auch Ärzte zur Zeit des AiP.
Inzwischen hat sich auch in meiner Branche das Blatt gewendet und die Forderungen kommen von den Bewerbern und nicht mehr von den Arbeitgebern. *grrrrrriiiinnnssss*

chris.goepfert
am Sonntag, 10. Januar 2010, 17:18

richtig so

Als locum und 100% selbstaendiger Arzt muss man saemtliche Kosten wie Krankenversicherung, Berufsunfaehigkeitsversicherung, Rentenvorsorge etc. selber tragen. Ohne Sicherheit eines unbefristeten Vertrages. Unterm Strich ist es zwar immer noch mehr als ein angestellter Arzt verdient, aber als wirklich lukrativ sehe ich das nicht an. Wahrscheinlich schon eher fuer die locum-Vermittler.
Locums sind in anderen Laendern sind (ganz ohne Hysterie) Teil der beruflichen Landschaft und flexibel einsetzbar. Ob das wirklich betriebswirtschaftlich oder fuer die Patientenversorgung so schlecht ist, wage ich zu bezweifeln. Man ist es halt nicht gewohnt in Deutschland.
Das deutsche medizinisches System ist rigide und verwaltungslastig. Es war auch immer sehr bequem, uns Aerzte zu benutzen wie man es brauchte. Gut, dass diese Zeit sich zu aendern scheint. Ich hoffe, es geht so weiter.
Solange wir uns so billig 'verkaufen' sind wir auch nicht mehr wert (siehe 'was ich noch vergass'.
fika
am Sonntag, 10. Januar 2010, 16:41

Genugtuung

Ich bin vor einiger Zeit wegen der "wenn Sie nicht bereit sind, ich habe 15 Bewebungen in der Schublade" Mentalität nach Skandinavien gegangen. Neulich habe ich einfach aus Neugier 2 Wochen als Leiharzt in D gearbeitet. Ich kann das nur Allen empfehlen, es ist, nach all der allseits akzeptierten Schinderei frueher, ein wenig als zöge man als Exilant mit der siegreichen amerikanischen Armee ins besetzte D ein. Gesundheitsökonomisch sicherlich nicht gut, aber: Ein tolles Gefuehl ;-)
Privatpatient
am Sonntag, 10. Januar 2010, 12:46

@Dumpingpreise und Marktgesetze

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/39592/Aerztekammer_Westfalen-Lippe_gegen_Einsatz_von_Honoraraerzten.htm#comment1018

[quote=Riesling am Freitag, 8. Januar 2010, 20:29]

Marktgesetze setzen sich auch im Sozialismus durch

Tja, so isses nun mal. Wenn keine Bereitschaft besteht, "regulär" arbeitende Ärzte in Klinik und Praxis angemessen zu bezahlen, gibt es eben keine mehr zu den politisch festgesetzten Dumpingpreisen. Das ist dann wie im Schwarzmarkt nach dem Krieg. [...][/quote]

Die Gehälter angestellter Fach- und Oberärzte liegen in Deutschland imBerich von 75 000 bis 100 000 Euro/Jahr. Wenn das als unangemessener Dumpingpreis empfunden wird, sollte sich Deutschland die Niederlande, Skandinavien oder GB zum Vorbild nehmen und auf niedergelassene Fachärzte - zumindest als "Kassenärzte" - verzichten, um dann dem "Rest" an verbliebenen Fachärzten angemessene Gehälter bezahlen zu können.



rostm
am Samstag, 9. Januar 2010, 18:27

was ich noch vergaß!

ach ja, noch was!
Erst wenn die Arztstunde 100 Euro kostet, wird sich manch ein Träger Gedanken machen, ob man das Geld wirklich für Arbeiten ausgeben soll, die auch von einer Sekretärin oder von einer Arzthelferin gemacht werden können.
rostm
am Samstag, 9. Januar 2010, 18:19

siehe England und Schweden

Wer die Entwicklungen in unseren Nachbarländern verfolgt hat, der wundert sich nicht. Schweden liegt bei solchen Dingen regelmäßig etwas 10 Jahre vor Deutschland. Dort werden massiv Leihärzte eingesetzt.
Im Übrigen ist es natürlich eine Katastrophe, wenn ein Teil der Gelder an Vermittlungsagenturen fließt. Aber anders geht es nun mal nicht. Da man jahrzehntelang die Ärzte unter Wert abgespeist hat, Überstunden prinzipiell nicht bezahlt wurden, entsprechend die Kostenblätter auch das nicht wiedergaben und die DRG-Vergütungen also die kostenlosen Überstunden - die jetzt eben nicht mehr kostenlos sind - daher nicht beinhalten, muss man sich darüber nicht wundern.
Vor 20 Jahren hieß es: Wenn es Ihnen nicht passt - es warten 100 Andere auf Ihre Stelle. Heute heißt es eben: Wenn Ihr nicht genug bezahlt - es warten 30 Andere auf mich. Das nennt man Marktwirtschaft.
tr0n
am Samstag, 9. Januar 2010, 12:23

Seien wir doch mal ehrlich,

der Herr Windhorst fuerchetet, dass Aerzte bald durch Honoraraerzte ihren wirklichen Wert kennen...
Riesling
am Freitag, 8. Januar 2010, 20:40

Klarstellung

Um nicht falsch verstanden zu werden: natürlich ist dieses Honorararztunwesen eine Katastrophe für die Patientenversorgung!
Riesling
am Freitag, 8. Januar 2010, 20:29

Marktgesetze setzen sich auch im Sozialismus durch

Tja, so isses nun mal. Wenn keine Bereitschaft besteht, "regulär" arbeitende Ärzte in Klinik und Praxis angemessen zu bezahlen, gibt es eben keine mehr zu den politisch festgesetzten Dumpingpreisen. Das ist dann wie im Schwarzmarkt nach dem Krieg. Wer noch was anzubieten hat, zockt ab. Sollte ich mir bei 35€ Fallwert (1997: umgerechnet 50€) auch langsam überlegen. Der Link zur "Facharztagentur" ist nebenan gleich rechts...
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