Ohne Zweifel ist es keine wünschenswerte Entwicklung, die zum Berufsbild des KV- und krankenhausunabhängigen Honorararztes geführt hat. Das gilt auch für Länder, die uns das schon lange vorleben. Die an herausragender Stelle daran Beteiligten sitzen aber an ebenso herausragenden standes- und gesundheitspolitischen Schaltstellen und haben diese Entwicklung initiiert, vorangetrieben und die Ergebnisse dann im Gesundheitswesen zementiert. Und nun beklagen sie sich über das Ergebnis? Das ist geradezu unglaublich. Wer hat nach Kräften privatisiert, fallpauschaliert, "Wettbewerb" gestärkt, die Pharmaindustrie in Deutschland ins Paradies katapultiert usw.usf.? Das alles mit Hilfe eines approbierten Sklavenheeres, welches ähnlich dem mittelalterlichen Bauern zur Fron verpflichtet sein soll?(Von den Pflegekräften soll hier keine Rede sein, aber sie gehören genauso dazu.) Bevor irgendein sogenannter Vertreter unseres Berufes es wagt anzuprangern, dass die Agenturen Geld der Patientenversorgung entziehen, ist er schon aus Gründen der Berufsehre verpflichtet, andere Fragen zu stellen. Woher kommen die Gewinne der privaten Krankenhausbetreiber, die unverfroren an den Krankenkassen/versicherungen vorbei an die Eigner gezahlt werden? Immerhin können Gewinne nur aus den Zahlungen der Versicherungen entstehen, Einsparungen müssen dann an diese zurückgehen. Die direkte Umwandlung von zwangseingezogenen Versicherungsgeldern in private Gewinne ist kriminell, und sie entsteht durch die vollkommen amoralische Ausbeutung der Beschäftigten im Gesundheitswesen. Mit politischer Billigung, natürlich. Weiter im Text- wieviel Arbeitsstellen kann man finanzieren, indem man die horrenden Honorare von Personalermittlungsfirmen einspart, die besonders in privaten Häusern ständig antichambrieren und ihre Dienste bei der sogenanten Planstellenermittlung anbieten? Wie die Ergebnisse sind, ist klar, und falls doch jemand für sein Honorar den wahren Bedarf ermittelt, wird dies für tausende Euro- ignoriert! Das habe ich selbst erlebt. Wer profitiert von der vollen Mehrwertsteuer auf Medikamente? Das ist nur eine Auswahl, wer der Patientenversorgung Geld entzieht. Mit Sicherheit ist es nicht die Arztagentur, die nichts weiter tut, als Bedarf und Ressourcen miteinander zu vereinigen. Diese Leistung ist weder sittenwidrig noch ungewöhnlich, und das, was sie kostet, spiegelt samt dem eigentlichen Honorar nur den tatsächlichen Wert der vermittelten Sache wider. Das ist Marktwirtschaft!!! Ich denke, die haben wir, oder etwa nicht? Die Leistung des Arztes ist teuer, unter anderem weil sie mit höchster Verantwortung verbunden ist und weil sie eben nur wenige leisten können und dürfen. Im Gegensatz zu vielen Jobs in Politik und Wirtschaft. Und wer etwas Notwendiges und Begehrtes erbringen kann, verkauft sich teuer. Zu nichts anderem hat man den Arzt in Deutschland erzogen, und nun, wo er es verstanden hat und anwendet, ist er plötzlich die dunkle Seite der Macht?
Die deutsche Ärzteschaft sollte jedem einzelnen Honorarzt dankbar sein, denn diese haben es endlich geschafft, den wahren Wert ärztlicher Tätigkeit legal, elegant und schlüssig offenzulegen. Das dient allen Ärzten, seien sie niedergelassen oder angestellt. Die durchsichtige Stimmungsmache ist nur das Geschrei der bisherigen Profiteure des gigantischen "Gesundheitsmarktes" und ist bereits vor mehr als 200 Jahren von Goethe im "Zauberlehrling" beschrieben worden...

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