Mannheim – Ein sogenannter Hirnschrittmacher, der ein winzig kleines Faserbündel im Zwischenhirn stimuliert, hat eine ältere Patientin von ihren zuvor therapierefraktären Depressionen befreit. In Biological Psychiatry (2010; 67: e9-e11) kündigen Neurochirurgen vom Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim jetzt eine klinische Studie an.
Die Habenulae sind zwei winzige Faserbündel, die an der Wand des dritten Ventrikels die Zirbeldrüse (Epiphyse) mit dem Thalamus verbinden. Bei einer Depression kommt es hier zu einer vermehrten Aktivität, welche die Balance von Neurotransmittern im Hirnstamm stört, begründet Alexander Sartorius, Psychiater am ZI den Eingriff, der bereits im Juni 2008 stattfand.
In einer stereotaktischen Operation schoben die Hirnchirurgen einen feinen Draht zur lateralen Habenula vor. Er wurde auf der anderen Seite mit einem elektronischen Impulsgeber verbunden, der im Brustbereich implantiert wurde. Die Elektroden setzen Strom frei, der kontinuierlich die Habenula stimuliert.
zum Thema |
Die Patientin, eine 64-Jahre alte Frau, hatte über viele Jahre an einer Depression. Sie hatte zwei Suizidversuche überlebt. Ihre schweren Symptome hatten weder auf Medikamente, noch auf eine zweiwöchige Elektrokrampftherapie angesprochen.
Seit der Implantation des Hirnschrittmachers ist sie nach Aussage der Psychiater beschwerdefrei. Nur eine depressive Krise habe es gegeben – als die Elektrode nach einer Untersuchung nicht wieder angeschaltet worden war.
Jetzt ist eine klinische Studie geplant, bei der die Habenula-Stimulation an fünf psychiatrisch-neurochirurgischen Zentren in Deutschland bei schwer depressiven Patienten zum Einsatz kommen soll. Da es sich um eine invasive Therapie handelt, kommt sie nur bei Patienten mit therapierefraktären schweren Depressionen infrage.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.