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Vorhofflimmern: Gene steuern den Herzrhythmus

Montag, 11. Januar 2010

München/London/Reykjavik – Drei Forscherteams haben unabhängig voneinander eine Reihe von Genvarianten entdeckt, die das PQ-Intervall im EKG und das Risiko von Herzrhythmusstörungen beeinflussen. Eine Variante befindet sich im Gen für einen Natriumkanal, der ein möglicher Ansatzpunkt für neue Arzneimittel ist.

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Das Vorhofflimmern tritt familiär gehäuft auf. Verwandte ersten Grades haben ein 2,5- bis 5-fach erhöhtes Risiko, ebenfalls an einem Vorhofflimmern zu erkranken, der einer der Hauptrisikofaktoren für den Schlaganfall ist. Genomweite Assoziationsstudien sind eine Möglichkeit, die Ursachen der familiären Häufung zu ermitteln.

Bei ersten Untersuchungen zeigte sich, dass nicht ein einzelnes Gen die familiäre Häufung erklärt. Die im letzten Jahr vom CHARGE-Konsortium gefundene Risikovariante im ZFHX3-Gen auf dem Chromosom 16 erklärt nur einen geringen Teil der Erkrankungen (Circulation: Cardiovascular Genetics 2009; 2: 73-80). Auch zwei schon vorher bekannte Gene (PITX2, KCNH2) erklärten nur wenige Erkrankungsfälle.

Arne Pfeufer und seine Kollegen vom Klinikum rechts der Isar in München haben die Untersuchung deshalb an einer größeren Gruppe von Patienten wiederholt. Statt 3.400 Patienten wurden jetzt 28.000 Menschen eingeschlossen. Dieses Mal wurde nicht nur nach den Risikogenen für ein Vorhofflimmern, sondern generell für Veränderungen des PQ-Intervall (international auch als PR-Intervall bezeichnet) gesucht.

Dank der größeren Teilnehmerzahl wurden jetzt insgesamt neun Genvarianten für Veränderungen im PQ-Intervall entdeckt, von denen fünf auch das Risiko des Vorhofflimmerns beeinflussen (Nature Genetics 2010; doi: 10.1038/ng.517).

Ein großer Treffer, der einen Großteil der familiären Häufung erklären würde, befand sich wiederum nicht darunter, auch wenn die Pressestelle von einem "Forschungsansatz mit Erfolgsgarantie” spricht. Ein Gentest auf ein Vorhofflimmern, wie ihn die isländische Firma deCODE bereits anbietet, dürfte derzeit nur wenige Abnehmer finden.

Eine der entdeckten Genvarianten ist jedoch vielversprechend: SCN10A befindet sich auf dem Gen für einen Natriumkanal “NaV1.8”. Dieser wurde bisher nur auf Nervenzellen vermutet, scheint aber den jetzigen Studienergebnissen zufolge auch die an Erregungsleitung im Herzmuskel zu beeinflussen.

Die Assoziation wurde von Hilma Holm von deCODE in Reykjavik (Nature Genetics 2010; doi: 10.1038/ng.511) und John Chambers vom Imperial College London (Nature Genetics 2010; doi: 10.1038/ng.516) und ihren Teams bestätigt. Chambers hat die Genvariante bereits Mäusen ins Erbgut geschleust und damit das PQ-Intervall der Tiere verkürzt.

Dies bestätigt nicht nur, dass der Assoziation ein kausaler Faktor zugrunde liegt. Es wurde gleichzeitig ein Tiermodell für die Erforschung neuer Medikamente zur Behandlung von Herzrhythmuserkrankungen geschaffen.

Für die Forscher ist dies insofern eine Genugtuung, als in letzter Zeit Kritik an den gigantischen Studien aufgekommen ist, die eine Vielzahl von Genvarianten produzieren, ohne dass häufig eine klinische Relevanz erkennbar ist. © rme/aerzteblatt.de

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