Boston – US-Forscher haben eine mögliche Erklärung für die Lichtscheu vieler Migränepatienten gefunden. Ihren tierexperimentellen Studien in Nature Neuroscience (2010; doi: 10.1038/nn.2475) zufolge werden Lichtreize der Retina zum Thalamus geleitet, wo sie aus den Meningen eintreffende Schmerzreize verstärken.
Ausgangspunkt für die Experimente von Rami Burstein von der Harvard Medical School in Boston war die Beobachtung, dass auch Migränepatienten mit Retinitis pigmentosa eine Photophobie entwickeln, obwohl bei dieser Augenerkrankung, die zur Erblindung führt, die Photorezeptoren für die bildliche Wahrnehmung (Stäbchen und Zapfen) zerstört sind.
zum Thema |
Sollten die US-Forscher tatsächlich die für die Photophobie verantwortlichen Neurone entdeckt haben, könnte deren gezielte Blockade – mit noch zu entwickelnden Substanzen – ein neuer Ansatzpunkt in der Migränetherapie sein – allerdings mit möglichen negativen Auswirkungen auf den Tag-Nacht-Rhythmus.
Interessant ist noch ein weiterer Befund, den die Forscher an den Migränepatienten mit Retinitis pigmentosa machten. Die Migränekopfschmerzen ließen sich vor allem durch Licht in blauem Wellenbereich sowie durch „graues“ Licht induzieren. Ob den Migränepatienten durch spezielle Brillen, die genau diese Wellenlängen filtern, die Flucht in vollkommen abgedunkelte Räume erspart bleiben könnte, wurde bisher nicht untersucht.
| Versenden | Teilen |
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.