Ärztemangel: Köhler will Niederlassung stärker steuern
Dienstag, 12. Januar 2010
Andreas Köhler /Pietschmann
Berlin – Angesichts eines sich abzeichnenden Ärztemangels in fünf bis zehn Jahren will die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine größere Vielfalt der Arbeitsformen von Medizinern forcieren als bisher und zudem die Verteilung von niedergelassenen Medizinern anders organisieren. „Es wird uns in fünf Jahren nicht mehr gelingen, in jedem Dorf einen Hausarzt zu etablieren und in jeder Kleinstadt einen Gynäkologen oder Augenarzt anzusiedeln“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Köhler heute in Berlin.
Bis zum Jahr 2020 gibt es nach seinen Worten deshalb einen Ersatzbedarf von zirka 58.000 Vertragsärztinnen und -ärzten, wobei sich besonders Defizite bei der wohnortnahen Grundversorgung, weniger bei Spezialisten abzeichnen.
In ihren aktuellen gesundheitspolitischen Vorschlägen plädiert die KBV deshalb dafür, künftig die Patientenversorgung in Kooperation mit den Krankenhäusern zu sichern. So könnten die KVen gemeinsam mit Kliniken Medizinische Versorgungszentren einrichten, in denen Vertragsärzte die nachstationäre Betreuung übernehmen, heißt es darin.
Denkbar seien auch Notfallambulanzen unter der Regie der KVen. In strukturschwachen Gebieten könnten Kolleginnen und Kollegen in Arztstationen tageweise die Versorgung sicherstellen. Diese Einrichtungen müssten die jeweiligen Gemeinden finanzieren.
„Wir wollen Fachärzte stärker motivieren, auch in die Fläche zu gehen“, sagte Köhler. Entsprechend soll es freie Arztsitze auch nur noch dort geben, wo sie nach einer möglichst realistischen, kleinteiligen Versorgungsanalyse tatsächlich notwendig sind. Notfalls müssten KVen Arztsitze in Ballungsräumen aufkaufen, um die Versorgung umzusteuern. Bislang lassen sich Fachärzte nach Angaben von Köhler häufig in der Nähe der Klinik nieder, an der sie ihre Weiterbildung absolviert haben, Hausärzte oft nahe ihrem Geburtsort.
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man schaue einfach ein wenig über den horizont und siehe da, in österreich gibt es keine kv und niemand vermisst sie, mehr noch, niemand braucht sie! die medizinische versorgung der alpenrepublik ist in manchen belangen weiß gott nicht optimal, aber die zig-millionen euro, die hier in deutschland für den gigantischen kv-apparat ausgegeben werden, spart man sich dort zumindest ein. und es funktioniert trotzdem - ja vielleicht sogar besser...
Man merkt wie weit unsere Politiker von der Realität entfernt sind. Es werden neue Model erarbeitet anstatt den Beruf des Allgemeinmediziners auf dem Land wieder attraktiver werden zu lassen. Nehmen wir das Beispiel Notdienste: auf dem Land kommt der Arzt nicht daran vorbei mehrere Nächte und Wochenenden zu arbeiten (sehr schlecht vereinbar mit der Familie vor allem für Ärztinnen!-und 50 % der Absolventen für Allgemeinmedizin sind Frauen!). In der Stadt gibt es genug junge Ärzte, die Bereitschaftsdienste freiwillig übernehmen - bei einem Stundenlohn von 50 Euro! Auf dem Land wird die Vergütung von der KV gerade auf 30 Euro reduziert!!! Obwohl die Dienste auf dem Land genauso anstrengend sind wie in der Stadt. Statt eine hohe Anzahl von Patienten versorgen zu müssen, müssen wir bis zu 50 km Serpentinenstrecken tief in der Nacht auf uns nehmen um zu einen Patienten zu gelangen! Und die KV arbeitet noch an vielen anderen Beispielen gegen uns Allgemeinärzte auf dem Land! Wird Zeit, dass unsere Vertreter in der KV mal anfangen bei uns vorbeizuschauen und sich der Realitität zu stellen anstatt theoretische Konstrukte zu erdenken! Ich persönlich habe mich wegen der Arbeitsbedingungen vom Land verabschiedet! Obwohl mir die Arbeit dort Spass gemacht hat! Aber mit Familie ist das nicht zu vereinen!
Wenn es weiter so geht, muss sich Herr Köhler womöglich zu der Bundesagentur für Arbeit pilgern, worauf ich mich sehr freuen würde. KVen parasitieren nur im Körper des Gesundheitssystems und sind schon seit langem verzichtbar. Die ambulante Versorgung kann in Laufe der Zeit problemlos von KH mit Polikliniken (MVZ) übernommen werden, wie dies z. B. in Holland hervorragend funktioniert.
Die KV war eine der treibenden Kräfte, die weniger Ärzte haben wollte. Nun haben Sie Ihr Ziel erreicht. Seien Sie stolz auf sich. Das macht Ihnen niemand so schnell nach. Und die besten und qualifiziertesten Kollegen gehen ins Ausland. Das ist doch genau das, was die KV haben wollte. Oder?
Da braucht sich ja keiner wundern, wenn dann noch weniger Ärzte diesen Beruf überhaupt noch ausüben wollen. Und welcher Student wählt denn Medizin mit der Aussicht auf ein Planwirtschaftliches System. Prima Idee.
...kann ich nicht. Diese ständige Fremdbestimmung ist genau der Grund, warum es eben nicht attraktiv ist als niedergelassener Vertragsarzt zu arbeiten - und was den "Nachwuchs" abschreckt. Mehr Freiheit und weniger Regulierungswut würden die Zahl der ambulanten Vertragsärzte ansteigen lassen. Da ist es ja sogar besser rein privatärztlich zu arbeiten...!
Dank Herrn Köhler und vieler anderer hochbezahlter Ärztefunktionäre
ist das ein Faktum. Man hat die Ärzte rausgebissen und nun wundert man sich über das Resultat. Hier in Schweden ist man sehr glücklich, dass viele deutsche Kollegen kommen. Es war ja erklärtes Ziel, die Zahl der Vertragsärzte zu reduzieren und das hat man geschafft. Worüber regt sich Herr Köhler nun auf?
Leserkommentare
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