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Plötzlicher Herztod durch Kokain

Mittwoch, 13. Januar 2010

Sevilla – Eine Häufung von plötzlichen Todesfällen nach dem Konsum von Kokain im Südwesten Spaniens veranlasst Gerichtsmediziner im European Heart Journal (2010; doi: 10.1093/eurheartj/ehp557) vor den Gefahren der vermeintlich sicheren sogenannten Partydroge zu warnen. Schon der einmalige Konsum könne zu einem tödlichen Abenteuer werden.

Von 688 Personen, die nach einem plötzlichen Todesfall am Institut für Rechtsmedizin in Sevilla obduziert wurden, hatten 21 zuvor Kokain konsumiert, was eine Prävalenz von 3,1 Prozent ergibt. Bei allen Drogentoten handelte es sich um junge Männer im Alter zwischen 21 und 45 Jahren.

Die meisten hatten auch geraucht oder Alkohol getrunken, berichtet Institutsleiter Joaquín Lucena, der die Kombination der beiden Genussmittel mit der Droge Kokain für besonders gefährlich hält, weil sie frühzeitige Schäden des Herzens begünstigt.

Viele Opfer waren kardial vorgeschädigt: Die Gerichtsmediziner diagnostizierten eine linksventrikuläre Hypertrophie (57 Prozent), Erkrankungen der kleinen Gefäße (43 Prozent), eine schwere koronare Herzkrankheit (29 Prozent) oder koronare Thrombosen (14 Prozent), was angesichts des jungen Durchschnittsalters von 35 Jahren sicherlich erstaunlich ist. Mit einem Anteil von 62 Prozent waren die meisten Todesfälle kardial bedingt, gefolgt von Schlaganfällen mit einem Anteil von 14 Prozent.

Erstaunlich ist auch, dass die Kokainkonzentrationen bei den Opfern sehr unterschiedlich waren (0,1 bis 1,15 mg/l). Dies mag mit der Formen des Konsum zusammenhängen oder auch mit genetischen Unterschieden im Stoffwechsel. Für Lucena zeigt es aber vor allem, dass auch Konsumenten kleinerer Mengen gefährdet sind. Eine körperlich unbedenkliche Kokaindosis gebe es jedenfalls nicht.

Nach den Recherchen von Lucena ist der Kokainkonsum in Europa mittlerweile weit verbreitet. Etwa 12 Millionen Kokainkonsumenten soll es geben, was einer Prävalenz von 3,7 Prozent in der Altersgruppe der 15 bis 64-Jährigen entspricht.

Besonders verbreitet sei die Droge in Großbritannien, wo 7,7 Prozent aller Erwachsenen sie schon einmal probiert haben, gefolgt von Spanien (7,0 Prozent) und Italien (6,6 Prozent). Wenig verbreitet ist die Droge in Osteuropa mit einer Prävalenz von 0,7 Prozent in Rumänien.

Lucena hat in der prospektiven Studie gezielt nach Kokaintodesfällen gesucht. Es ist durchaus möglich, dass in der täglichen Routine der Gerichtsmediziner nicht alle Fälle erkannt werden, weshalb auch die Editorialisten David Hillis und Richard Lange vom University of Texas Health Science Center in San Antonio fordern, dass bei allen plötzlichen Todesfällen Drogentests durchgeführt werden (European Heart Journal 2010; doi: 10.1093/eurheartj/ehp503). © rme/aerzteblatt.de

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