Angiotensinblocker könnten Demenz besser vorbeugen
Mittwoch, 13. Januar 2010
Boston – US-Veteranen, deren Hypertonie mit Angiotensin-Rezeptorblockern behandelt wurde, erkrankten in einer prospektiven Kohortenanalyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2010; 340: b5465) deutlich seltener an einer Demenz. Die protektive Wirkung wurde durch die gleichzeitige Einnahme eines ACE-Hemmers sogar noch gesteigert.
Neben Alter und der Bildung von Beta-Amyloiden ist die Atherosklerose ein wesentlicher Risikofaktor für eine Altersdemenz. Medikamente, die das Fortschreiten der Atherosklerose hemmen, könnten deshalb vor einer Altersdemenz schützen.
Hier kommen in erster Linie Antihypertonika infrage, da die Hypertonie eine der wesentlichen Risikofaktoren für den Schlaganfall ist, und Demenzerkrankungen häufig die Folge von sogenannten stummen Schlaganfällen sind.
Einige Experten glauben, dass Medikamente, die in die hormonelle Regulierung des Blutdrucks eingreifen, besonders günstige Wirkungen haben. Zu diesen Medikamenten zählen die ACE-Hemmer und die Angiotensinrezeptorblocker.
Eine Bestätigung liefert jetzt die Auswertung der Krankendaten von über 800.000 US-Veteranen im Seniorenalter durch die Gruppe um Benjamin Wolozin von der Universität Boston. Tatsächlich wurde bei den Hypertonikern, die mit Angiotensinrezeptorblockern behandelt wurden, in einer Nachbeobachtungszeit von vier Jahren zu 24 Prozent seltene eine Demenz diagnostiziert als bei Hypertonikern, die andere Mittel erhalten hatten.
Die Kombination von Angiotensinrezeptorblocker plus ACE-Hemmer war sogar mit einer um 46 Prozent niedrigeren Rate von Demenzerkrankungen assoziiert. Die Patienten wurden dann zu 66 Prozent seltener in ein Pflegeheim eingewiesen.
Trotz dieser Zahlen und der enormen Größe der Kohorte belegen die Ergebnisse die antidemenzielle Wirkung der beiden Antihypertonika nicht. Zum einen kann eine Beobachtungsstudie nicht ausschließen, dass die Assoziation andere Gründe hat. Denkbar ist in diesem Fall, dass bevorzugt Patienten mit höherem Einkommen mit den beiden teuren Wirkstoffgruppen behandelt wurden.
Diese Personen haben häufiger einen gesünderen Lebensstil sie werden womöglich von ihren Angehörigen nicht so schnell ins Pflegeheim gebracht, wenn sie dement werden. Zum anderen ist zu bedenken, dass eine medikamentöse Therapie auch ungünstige Auswirkungen haben kann: Der “Appeal” der Doppeltherapie mit ACE-Hemmer plus Angiotensinrezeptorblocker hat unter Internisten in den letzten Jahren einen deutlichen Dämpfer durch die Ergebnisse der ONTARGET-Studie erhalten (NEJM 2008; 358: 1547-1559).
Dort hatte die Doppelbehandlung mit Ramipril plus Telmisartan nicht zu der erhofften zusätzlichen kardiovaskulären Schutzwirkung geführt. Stattdessen war es häufiger zu Komplikationen (Hypotension, Synkopen, Nierenfunktionsstörungen) gekommen.
Derartige Risiken der medikamentösen Therapie werden in der Regel erst in randomisierten klinischen Studien entdeckt, die deshalb auch in Zukunft nicht durch Datenbankanalysen ersetzt werden können, auch wenn diese im Zeitalter der elektronischen Krankenakten schnell und kostengünstig durchgeführt werden können.
© rme/aerzteblatt.de
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