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Herzinfarktrisiko durch Aids-Medikamente nur gering erhöht

Donnerstag, 14. Januar 2010

Kopenhagen – Eine neue Auswertung der D:A:D-Studie im Journal of Infectious Diseases (JID 2010; 201: 318–330) bestätigt, dass einige antiretrovirale Medikamente das Herzinfarktrisiko erhöhen. Die Gefährdung ist jedoch gering und sie bleibt hinter anderen modifizierbaren Risikofaktoren zurück.

Die Data Collection on Adverse Events of Anti-HIV Drugs oder D:A:D-Studie hat Daten zu 33.308 Infizierten gesammelt, von denen 580 in insgesamt 178.835 Personen-Jahren an einem Herzinfarkt erkrankt sind. Das ist eine vergleichsweise geringe Zahl, die meisten Patienten haben aber auch noch nicht das Alter erreicht, in dem Herzinfarkte häufig auftreten.

Da verschiedene Wirkstoffe, vor allem aus der Gruppe der Protease-Inhibitoren, den Lipid- und Glukosestoffwechsel ungünstig beeinflussen, muss infolge der lebenslangen Therapie mit einer erhöhten Zahl von kardiovaskulären Folgekrankheiten gerechnet werden, und frühere Auswertungen der D:A:D-Studie hatten auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko hingewiesen, das nicht allein auf die Protease-Inhibitoren beschränkt war.

Die höchsten Odds Ratios ermitteln Signe Westring Worm von der Universität Kopenhagen und Mitarbeiter jetzt für die nukleosidischen Reverse-Trankriptase-Inhibitoren (NRTI) Abacavir und Didanosin, deren Anwendung kurzfristig mit einem um 73 beziehungsweise um 30 Prozent erhöhten Risiko assoziiert war.

Für die langfristige Anwendung errechnen die Epidemiologen eine Risikosteigerung um 7 Prozent pro Jahr für Abacavir. Für die Protease-Inhibitoren Indinavir und für Lopinavir-Ritonavir nimmt es pro Jahr um 8 Prozent und 9 Prozent zu. Kein signifikanter Effekt wurde für Tenofovir, Zalcitabin, Zidovudine, Stavudin oder Lamivudin gefunden.

Inwiefern diese Daten bei der Auswahl der Wirkstoffe berücksichtigt werden sollten, ist umstritten, zumal die D:A:D-Studie eine Beobachtungsstudie ist und damit Verzerrungen der Ergebnisse nicht auszuschließen sind. Die Herzinfarkte wurden denn auch vor allem bei Patienten beobachtet, die ein ungünstiges kardiovaskuläres Risikoprofil hatten, was aber bei der Risikoberechnung so weit wie möglich berücksichtigt wurde.

Die Editorialisten Judith Aberg, New York University School of Medicine, und Heather Ribaudo, Harvard School of Public Health in Boston, weisen darauf hin, dass der Einfluss des Rauchens (Relatives Risiko 2,33 in einer früheren Auswertung der D:A:D-Studie) sehr viel größer ist als die Wahl des „falschen“ Wirkstoffs (JID 2010; 201: 316-317).

Eine Alarmstimmung werden die Ergebnisse der D:A:D-Studie nicht verbreiten. Es bleibt aber abzuwarten, wie sich die HIV-Therapie auf das im höheren Alter ansteigende Herzinfarktrisiko auswirken wird. © rme/aerzteblatt.de

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