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Medizin

Krebsforscher experimentierten mit falschen Zelllinien

Freitag, 15. Januar 2010

Rotterdam – Niederländische Forscher decken im Journal of the National Cancer Institute (JNCI 2010: doi: 10.1093/jnci/djp499) ein peinliches Versehen in der präklinischen Krebsforschung auf. Bei der Suche nach neuen Wirkstoffen gegen das Ösophaguskarzinom wurden über viele Jahre Zelllinien verwendet, die von anderen Tumoren aus anderen Organen stammten. 

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Den in den Krebsforschung verwendeten Zelllinien ist es in der Regel nicht anzusehen, von welcher Krebsart sie stammen. Da die “unsterblichen” Zelllinien von Labor zu Labor weitergereicht werden, kann es vorkommen, dass Etikette vertauscht werden oder Zellkulturen durch andere Zellen verunreinigt werden. Dies war schon bei den HeLa-Zellen passiert, der ersten permanenten Krebszelllinie, die 1951 aus dem Zervixkarzinom einer Patientin gewonnen wurden.

1974 konnten US-Forscher nachweisen, dass diese Zellen auch als Nierenzellkarzinom, Mammakarzinom, Prostata-Adenom oder Liposarkom im Umlauf waren. Der Journalist Michael Gold behauptete später sogar, kontaminierte HeLa-Zellen hätten während der Nixon-Administration in einem prestigeträchtigen Austauschprogramm zur Krebsforschung mit der UdSSR für diplomatische Irritationen im kalten Kriegs gesorgt.

Derartige weltpolitische Auswirkungen sind von der Arbeit von Winand Dinjens von der Erasmus Universität in Rotterdam wohl nicht zu befürchten. Doch viele klinische Forscher werden sich fragen, ob sie Medikamente an Patienten getestet haben, die zuvor nicht “sauber” in präklinischen Studien untersucht wurden.

Dinjens und Mitarbeiter haben die Identität von 13 Adenokarzinomzellen überprüft und festgestellt, dass drei von ihnen in Wirklichkeit von Krebsgeschwulsten aus Lunge, Dickdarm und Magen stammen. Da es sich ausgerechnet um drei häufig benutzte Zelllinien handelt, sind nach Einschätzung der Forscher mehr als hundert wissenschaftliche Studien in Frage gestellt und 11 US-Patente nur noch Makulatur.

Einer der betroffenen Wirkstoffe ist der Thyrosinkinasehemmer Sorafenib, dessen Wirksamkeit beim Ösophaguskarzinom derzeit in klinischen Studien untersucht wird. Alle präklinischen Experimente sollen mit den falschen Zelllinien durchgeführt worden sein, berichtet der Editorialist Robert Shoemaker vom US-National Cancer Institute in Frederick/Maryland (JNCI 2011; doi: 10.1093/jnci/djp526). © rme/aerzteblatt.de

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polmu
am Mittwoch, 20. Januar 2010, 20:19

Kaum zu glauben

Ehrlich gesagt, das glaube ich wirklich, daß man es einer Zelle oder Zellinie durch bloßes Ansehen, meinetwegen noch mit einer Lupe, nicht ansieht, welcher Provenienz sie ist. Aber ich kleines Dummerchen dachte immer, es gäbe heutzutage Möglichkeiten, so gentechnisches und immunologisches Zeugs halt, mit denen sich Zellen eindeutig identifizeren lassen. Da habe ich wohl zu viel Ärzteblätter und dergleichen gelesen.
polmu
am Mittwoch, 20. Januar 2010, 20:19

Kaum zu glauben

Ehrlich gesagt, das glaube ich wirklich, daß man es einer Zelle oder Zellinie durch bloßes Ansehen, meinetwegen noch mit einer Lupe, nicht ansieht, welcher Provenienz sie ist. Aber ich kleines Dummerchen dachte immer, es gäbe heutzutage Möglichkeiten, so gentechnisches und immunologisches Zeugs halt, mit denen sich Zellen eindeutig identifizeren lassen. Da habe ich wohl zu viel Ärzteblätter und dergleichen gelesen.
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