Cambridge/London. Ein internationales Konsortium hat ein
rundes Dutzend neuer Genvarianten entdeckt, die in den Glukosestoffwechsel
eingreifen. Fünf der in Nature Genetics (2010; doi: 10.1038/ng.520 und 521)
beschriebenen Gene erhöhen das Risiko an einem Typ-2-Diabetes mellitus zu
erkranken.
Die Zahl der Personen, deren Erbgut stückweise entziffert
ist, wird immer größer. Auf der Suche nach Diabetes-Genen konnte das
Meta-Analysis of Glucose and Insulin Related Traits Consortium (MAGIC) auf
46.186 nicht diabetische Personen zurückgreifen, die an 21 genomweiten
Assoziationsstudien teilgenommen hatten.
Wie Ines Barroso vom Sanger Institute in Cambridge/England berichtet, wurden
dabei 25 Genvarianten (single nucleotide polymorphism, SNP) entdeckt, die mit
einer gestörten Glukosetoleranz assoziiert waren. Nach einer Validierung an
weiteren 77.000 Personen blieben 16 SNPs übrig, von denen fünf mit einem erhöhten
Erkrankungsrisiko an einem Typ-2-Diabetes mellitus assoziiert waren.
Nur eine der Varianten befand sich in einem Gen, das die periphere Wirksamkeit
von Insulin beeinflusst. Dies ist aus diabetologischer Sicht ein
bemerkenswertes Ergebnis, da die Ursache des Typ-2-Diabetes mellitus heute in
erster Linie in einer verminderten Insulinwirkung, der Insulinresistenz,
vermutet wird.
An dieser Interpretation ist kaum zu zweifeln, da viele Menschen mit
Typ-2-Diabetes mellitus trotz hoher Insulinspiegel hyperglykämisch sind. In
einer ersten präklinischen Phase der Erkrankung können die Beta-Zellen den
Blutzucker durch eine gesteigerte Freisetzung des Hormons noch kontrollieren.
Zur Hyperglykämie kommt es erst, wenn die Beta-Zellen überfordert sind. Die neue
Studie lässt vermuten, dass diese Belastbarkeit der Beta-Zellen genetischen
Unterschieden unterliegt.
Die Forscher heben zwei Genvarianten hervor. Ein SNP befand sich in der Nähe
von ADCY5, das die Nüchtern- und postprandialen Blutzuckerwerte beeinflusst.
Das andere SNP ist in der Nähe des Gens FADS1 lokalisiert, das sowohl die
Blutzucker- als auch die Lipidwerte beeinflusst.
In einer zweiten Studie verglichen John Chambers vom Imperial College London
und Mitarbeiter den genetischen Einfluss auf den 2-Stundenwert im
Glukosebelastungstest an 15.234 Personen. Auffällig war hier eine Variante im
GIPR-Gen. Dieses kodiert den Rezeptor für das “gastric inhibitory polypeptide”.
Das Hormon beeinflusst den Blutzucker über eine Regulation der Beta-Zellen.
Diese Entdeckung unterstreicht die blutzuckerregulierende Bedeutung der
sogenannten Inkretine, die von den endokrinen Zellen des Darms gebildet und als
Inkretin-Mimetika in der Behandlung eingesetzt werden.
Auch wenn die beiden Studien neue Erkenntnisse zur Pathophysiologie des
Typ-2-Diabetes mellitus liefern, darf nicht übersehen werden, dass sie nur etwa
10 Prozent der familiären Häufung erklären, wie die Autoren betonen. Es ist
zwar möglich, dass noch weitere prädisponierende Gene gefunden werden.
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