Pankreaskarzinom: Präoperative Gallendrainage von zweifelhaftem Wert
Montag, 18. Januar 2010
Amsterdam – Bei Patienten mit einem resektablem
Pankreaskopfkarzinom ist eine präoperative Gallengangsdrainage nicht immer
vorteilhaft. In einer kontrollierten Studie im New England Journal of Medicine
(2010; 362: 129-137) waren Patienten, die sofort operiert wurden, im Vorteil.
Bei den meisten Patienten mit Pankreaskarzinom sind die Gallengänge durch den
Tumor verlegt. Die präoperative Drainage kann den Gallenstau und den Ikterus
beseitigen und sollte damit die Aussichten der Patienten verbessern, die 10-
bis 12-stündige Whipple-Operation besser zu überstehen.
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Doch in der Praxis gestaltet sich die Drainage häufig als schwierig, da die
Blockade durch den Tumor nicht leicht zu überwinden ist. In der Studie, über
die Niels van der Gaag vom Academisch Medisch Centrum in Amsterdam berichtet,
gelang es nur bei jedem vierten Patienten im ersten Anlauf den Stents mittels
endoskopischer retrograder Cholangiopankreatografie (ERCP) zu platzieren.
Beim zweiten Versuch waren die Internisten zwar zu 94 Prozent erfolgreich, und
der Ikterus bildete sich innerhalb von zehn Tagen zurück. Bei fast jedem
zweiten Patienten kam es jedoch zu ERCP-bedingten Komplikationen wie
Pankreatitis, Perforationen, Blutungen oder einer Cholangitis. Außerdem
verzögerte die ERCP den Operationstermin um mehrere Wochen.
In einer zweiten Gruppe wurde auf eine präoperative ERCP verzichtet. Die
Patienten wurden gleich in der ersten Woche operiert – und sie überstanden
den schwierige chirurgischen Eingriff deutlich besser: van der Gaag gibt die
kumulative Rate schwerer Komplikationen in den ersten 120 Tagen nach der
Operation mit 39 Prozent an gegenüber 74 Prozent nach einer verzögerten
Operation.
Hinzu kommt, dass die präoperative Gallengangsdrainage die Zahl der Patienten
senkte, die überhaupt noch operiert werden konnten (56 Prozent vs. 67 Prozent).
Am Ende überlebten mehr Patienten, die auf eine sofortige Operation
randomisiert wurden, die ersten 120 Tage als in der Gruppe mit vorgeschalteter
ERCP.
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