Hamilton/Ontario – Ein dramatischer Anstieg in der
Verordnung von Teststreifen zur Blutzuckerselbstmessung hat eine kanadische
Behörde im letzten Jahr veranlasst, Ärzte zur Zurückhaltung aufzufordern. Die
den Empfehlungen zugrunde liegenden Berechnungen wurden jetzt im Canadian
Medical Association Journal (CMAJ 2010: 182: 35-38) vorgestellt.
Die Zahl der verordneten Teststreifen war in Kanada
innerhalb eines Jahrzehnts um fast 250 Prozent gestiegen.
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Im Ontaria Public
Drug Program entfielen zuletzt 3,3 Prozent der gesamten Arzneimittelkosten auf
die Teststreifen, und die Ausgaben für die nächsten 5 Jahre wurden auf 500
Millionen Dollar projiziert.
Dies veranlasste Forscher vom Institute for Clinical Evaluative Sciences (ICES)
über Einsparmöglichkeiten nachzudenken. Im radikalsten Szenario, das
ICES-Epidemiologin Tara Gomes vorschlägt, könnten die Kosten um 63 Prozent
gesenkt werden. Dies würde allerdings bedeuten, dass nur noch Diabetiker, die
Insulin spritzen, eine Blutzuckerselbstmessung durchführen dürften.
Dies würde Patienten ausschließen, bei denen es unter der Einnahme von oralen
Antidiabetika zu Hypoglykämien gekommen ist. Dies ist in Kanada ein relativ
großer Anteil von 30 Prozent aller Typ-2-Diabetiker über 65 Jahren.
Werden diesen Patienten keine Einschränkungen bei den Selbsttests auferlegt und
werden den anderen Patienten (Einnahme oraler Antidiabetika ohne
Komplikationen, oder eine Behandlung durch Diät allein) 400 Tests pro Jahr
zugestanden, lassen nur noch 8,1 Prozent der Kosten einsparen.
Die Canadian Agency for Drugs and Technologies in Health (CADTH) hofft in ihrer
im letzten Sommer veröffentlichten Empfehlung auf die Mitarbeit der Ärzte. Bei
Diabetikern, die nach einem Basis-Bolus-System Insulin injizieren, steht die
Notwendigkeit zur regelmäßigen Blutzuckerselbstmessung außer Frage.
Aber bereits bei Typ-2-Diabetikern, die nur ein Basisinsulin injizieren, sollte
die Testfrequenz individuell festgelegt werden, fordert die Leitlinien der
CADTH: Mehr als 14 Tests pro Woche sollten die Patienten nicht benötigen.
Bei den Patienten, die orale Antidiabetika einnehmen, wird die
Blutzuckerselbstmessung von der Stabilität der Blutzuckerwerte abhängig
gemacht. Patienten, die noch keine Medikamente einnehmen, brauchen nach Ansicht
der CADTH kein Gerät zur Blutzuckerselbstmessung.
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