Medizin

Krafttraining hält Senioren körperlich und geistig fit

Dienstag, 26. Januar 2010

Vancouver/Boston/München/Erlangen – Senioren können im Fitnessstudio nicht nur ihre Muskeln stärken. Eine oder zwei Stunden Krafttraining in der Woche verbesserten in einer randomisierten Studie in den Archives of Internal Medicine (2010; 170: 170-178) auch die Ergebnisse in kognitiven Tests.

Dass ein gesunder Körper häufig einen gesunden Geist beherbergt, ist durch zahlreiche epidemiologische Studien erwiesen, wobei Ausnahmen wie immer die Regel bestätigen. Bei den meisten Publikationen handelt es sich aber um Fall-Kontroll- oder Beobachtungsstudien, bei denen offen bleiben muss, ob Sport die kognitiven Fähigkeiten stärkt oder oder ob nicht umgekehrt (vor allem im Alter) bestimmte mentale Voraussetzungen einen körperlich aktiven Lebensstil erst möglich machen.

Diese Zweifel lassen sich durch randomisierte Studien ausräumen. Eine solche haben Teresa Liu-Ambrose vom Vancouver Coastal Health Research Institute und Mitarbeiter an 106 älteren zuhause lebenden Frauen im Alter von 65 bis 75 Jahren durchgeführt.

Die älteren Damen wurden eingeladen, einmal oder zweimal die Woche unter Anleitung eine Stunde mit Hanteln und an Kraftmaschinen zu trainieren. In einer Kontrollgruppe wurde 49 gleichaltrigen Frauen zweimal wöchentlich ein Balancetraining angeboten.

Die Übungen halfen den Senioren nicht nur ihre Muskelkraft zu erhalten – allerdings nur beim zweimal wöchentlichen Training. Die trainierten Damen schnitten am Ende auch in einer Reihe von kognitiven Tests besser ab, wie Liu-Ambrose berichten kann. Die sportlichen Übungen dürften die meisten Senioren nicht überfordern, schreibt die Autorin. Sie entsprächen den derzeitigen Empfehlungen der US-Physical Activity Guidelines.

Die Archives veröffentlichen auch zwei weitere Beobachtungsstudien. Qi Sun und Mitarbeiter der Harvard School of Public Health in zeigen in einer Analyse der Nurses' Health Study, dass Krankenschwestern, die im mittleren Lebensalter körperlich aktiv waren, im Alter von 70 Jahren häufiger frei von chronischen Erkrankungen sind (Arch Intern Med. 2010; 170: 194-201).

Günstige Auswirkungen von Sport auf die kognitive Entwicklung lassen sich auch aus der “Intervention Project on Cerebrovascular Diseases and Dementia in the Community of Ebersberg” oder INVADE-Studie ableiten, die alle AOK-Mitglieder über 55 Jahre einer bayrischen Gemeinde über 2 Jahre begleitete: Mäßige und starke körperliche Betätigung waren mit einem um 43 beziehungsweise 46 Prozent verminderten Auftreten von kognitiven Störungen assoziiert, wie Thorleif Etgen von der Technischen Universität München berichtet (Arch Intern Med. 2010;170: 186-193).

Bemerkenswert sind auch die Ergebnisse einer randomisierten Studie, in der 123 Seniorinnen der Siemens-Betriebskrankenkasse über 18 Monate viermal die Woche intensiv trainierten. Gegenüber einer Kontrollgruppe aus 113 Seniorinnen, die ein anspruchsloses Wellness-Programm absolvierten, konnten die körperlich aktiveren älteren Damen ihre Knochendichte verbessern.

Sie stürzten seltener, und am Ende waren die Gesundheitskosten um etwa 500 Euro niedriger, wie Wolfgang Kemmler und Mitarbeiter der SEFIP-Studie der Universität Erlangen berichten (Arch Intern Med. 2010; 170: 179-185). © rme/aerzteblatt.de

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