Tuberkuloseimpfstoff nutzt HIV-Infizierten in Afrika
Montag, 1. Februar 2010
Dar es Salaam – Die wiederholte Impfung mit Mycobacterium vaccae hat in einer randomisierten Studie bei HIV-Infizierten in Tansania die Rate der schweren Tuberkuloseerkrankungen deutlich gesenkt. Die Autoren erhoffen sich in AIDS (2010; doi: 10.1097/QAD.0b013e3283350f1b) eine Einsparung antiretroviraler Medikamente.
Mycobacterium vaccae ist ein im Erdreich verbreiteter für den Menschen nicht pathogener Verwandter des Tuberkuloseerregers (er wurde zuerst im Kuhdung gefunden, vacca: latein. Kuh). Sein Wert als möglicher Tuberkuloseimpfstoff (Immuntherapie) wurde bisher als gering eingestuft. Eine ältere Cochrane-Übersicht fiel negativ aus (Cochrane Database of Systematic Reviews 2003; 1: CD001166).
Doch zumindest für HIV-Infizierte in Entwicklungsländern könnte jetzt eine neue Bewertung erforderlich werden. Unter der Leitung von Ford von Reyn von der Dartmouth Universität in Hanover/New Hampshire und Kisali Pallangyo von der Muhimbili University in Dar es Salaam waren 2.013 HIV-Infizierte über einen Zeitraum von 12 Monaten fünfmal geimpft worden, wobei der Impfstoff nur bei jedem zweiten Teilnehmer M. vaccae enthielt. Die anderen erhielten ein Placebo.
Alle Patienten waren vor ihrer HIV-Erkrankung mit dem BCG-Impfstoff geimpft worden. Bei allen war ein Tuberkulintest positiv und alle wurden mit Isoniazid auf eine latente Tuberkulose hin behandelt. Sie allein konnte eine klinische Tuberkulose jedoch nicht immer verhindern.
Im Placebo-Arm erkrankten im Verlauf von 3,3 Jahren 52 Teilnehmer an einer klinischen Tuberkulose. Unter den mit M. vaccae geimpften Teilnehmern wurden nur 33 Erkrankungen diagnostiziert. Dies ergibt eine Hazard Ratio von 0,61 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,39-0,96). Mit anderen Worten: Zwei von fünf Erkrankungen konnten (vorerst) vermieden werden.
Da die Tuberkulose die wichtigste opportunistische Erkrankung von HIV-Infizierten in Afrika und die häufigste Todesursache ist, sehen die Autoren in der Impfung einen wichtigen Beitrag zur Behandlung von HIV in Afrika, zumal die Impfung gut vertragen wurde und keine negativen Auswirkungen auf CD4-Zellzahl oder HI-Viruslast beobachtet wurden.
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