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Plötzlicher Kindstod: Serotoninmangel im Hirnstamm als mögliche Ursache

Mittwoch, 3. Februar 2010

Boston – Eine US-Forscherin ist auf der Suche nach der Ursache des plötzlichen Kindstod (SIDS) einen wichtigen Schritt vorangekommen. Ein Serotoninmangel im Hirnstamm könnte ihrem Bericht im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010; 303: 430-437) zufolge den unwillkürlichen Atemantrieb hemmen und so den nächtlichen Tod der Kinder auslösen.

Die Neuropathologin Hannah Kinney von der Kinderklinik Boston sucht seit den frühen 80er-Jahren nach den Ursachen von SIDS (Sudden Infand Death Syndroms). Vor vier Jahren berichtete sie über Veränderungen in der Zahl der serotinergen Neurone und ihrer Rezeptoren in der Medulla oblongata, dem Ort des Atemzentrums und anderer lebenswichtiger Regelkreise (JAMA 2006; 296: 2124-2132).

Damals war allerdings nicht klar, ob eine Überproduktion oder ein Mangel des Neurotransmitters vorliegt. Inzwischen konnte Kinney Gewebeproben von 35 weiteren Opfern untersuchen. Und ihre Ergebnisse zeigen dieses Mal, dass in der Tat die Konzentration von Serotonin vermindert ist.

In der Medulla oblongata (genauer im Nucleus raphe obscurus und im Nucleus paragigantocellularis lateralis) wurde 26 Prozent weniger Serotonin nachgewiesen als in den Gewebeproben von 10 Kindern, die aufgrund eines Sauerstoffmangels oder aus anderen bekannten Gründen plötzlich verstorben waren. Die Pathologin kann ferner zeigen, dass die Konzentration des Enzyms Tryptophanhydroxylase, das an der Synthese von Serotonin beteiligt ist, um 22 Prozent niedriger war.

Die Ergebnisse fügen sich in das derzeitige Dreifach-Konzept zur SIDS-Ätiologie. Danach müssen drei Dinge zusammenkommen, damit ein Kind im ersten Lebensjahr über Nacht stirbt, ohne dass Zeichen äußerer Gewalt oder andere Ursachen erkennbar sind.

Diese Faktoren sind eine Vulnerabilität (vielleicht ein genetisch bedingter Serotoninmangel), eine kritische Periode in der Entwicklung (das erste Lebensjahr) und ein externer Stressor (Bauchlage, Rauchen der Eltern usw.).

Einer dieser Stressoren lag bei 88 Prozent aller Kinder vor, deren Präparate die Pathologin untersuchte. Zur Gefährdung werden sie erst, wenn ein Serotoninmangel im Gehirn vorliegt. Dieser lässt sich derzeit erst postmortal nachweisen. Ein Screening-Test ist noch nicht in Sicht. © rme/aerzteblatt.de

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