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Dienstag, 9. Februar 2010
Hirnforschung: Mandelkerne bremsen finanzielle Risikobereitschaft

Pasadena – Die beiden Corpora amygdaloideum, auch Mandelkerne genannt, steuern das Risikoverhalten in finanziellen Angelegenheiten. Dies zeigen die Untersuchungen von zwei Patienten mit selektiven Hirnschäden in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2010, doi:10.1073/pnas.0910230107), als ungewöhnlich risikofreudig erwiesen.

Bei der Show „Wer wird Millionär“ besteht der voyeuristische Reiz für den Zuschauer darin, dass die Spieler durch die Aussicht auf einen sehr hohen Gewinn dazu motiviert werden, ein unvernünftiges Risiko einzugehen. Denn normalerweise sind die meisten Menschen in Geldangelegenheiten eher ängstlicher als notwendig.

Wenn ihnen Forscher ein Glücksspiel vorschlagen, in dem es entweder 20 Euro zu gewinnen oder 15 Euro zu verlieren gibt, lehnen die meisten Menschen ab, auch wenn die Chancen 50 zu 50 stehen. Erst bei einem Gewinn- zu Verlustverhältnis von 20 zu 5 Euro schlagen die meisten ein.

Derartige Skrupel hatten die beiden Patienten, die Benedetto de Martino vom California Institute of Technology in Pasadena und Mitarbeiter untersuchten, nicht. Beide erwiesen sich bei den Wettspielen als äußerst risikofreudig. Manchmal stimmten sie sogar zu, wenn sie objektiv ein höheres Verlustrisiko hatten.

De Martino führt dies auf eine äußerst seltene Erkrankung zurück. Die 43 und 23 Jahre alten Frauen litten an einem Urbach-Wiethe-Syndrom, das seit seiner Erstbeschreibung im Jahr 1929 erst bei etwa 300 Personen diagnostiziert wurde.

Ursache ist eine Mutation im Gen für ECM1 (“extracellular matrix protein) auf dem Chromosom 1, das hyaline Ablagerungen in der Haut und in den Corpora amygdaloideum zur Folge hat. Letztere waren bei den beiden Patientinnen als Verkalkungen in der Kernspintomografie sichtbar.

Die beiden Corpora amygdaloideum sind im medialen Temporallappen vor den Unterhörnern des Ventrikelsystems lokalisiert. Hirnforscher schreiben ihnen eine wichtige Rolle in der Verarbeitung und Speicherung von emotionalen Erlebnissen zu. Die Mandelkerne werden deshalb zum limbischen System gezählt.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Zerstörung der Mandelkerne zum Verlust von Furcht- und Aggressionsempfindungen führen kann. Die Betroffenen verlieren die Fähigkeiten, aus emotional belastenden Situationen die richtigen Schlüsse zu ziehen, wozu nach den Ergebnissen der jetzigen Studie auch unvernünftiges Verhalten in Geldangelegenheiten zählen könnte.
© rme/aerzteblatt.de

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