Medizin
Nikotinablagerungen:# Krebsrisiko aus dritter Hand
dpa
Berkeley – In den Ablagerungen, die Tabakrauch auf Möbeln,
Kleidung und der Haut hinterlässt, bilden sich durch Verbindung mit Stickoxiden
der Luft Karzinogene, von denen nach Ansicht von US-Forschern in den
Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2010, doi:10.1073/pnas.0912820107)
durchaus gesundheitliche Risiken ausgehen könnten.
Dass Rauchen der Gesundheit schaden, steht außer Zweifel.
Auch die Risiken des Passivrauchens werden heute allgemein akzeptiert. Dass
aber auch die Ablagerungen, die Nikotin auf Oberflächen von Räumen hinterlässt,
mehr als eine kosmetische und olfaktorische Belästigung darstellen, ist neu.
Die Untersuchungen von Mohamad Sleiman vom Lawrence Berkeley National
Laboratory in Berkeley und Mitarbeitern zeigen jedoch, dass sich in den
Nikotinablagerungen sogenannte „tobacco-specific nitrosamines“ (TSNAs) bilden,
die im Tabakrauch selbst nicht enthalten sind. Im Labor konnten diese TSNA
nachgewiesen werden, wenn die Nikotinablagerungen über 3 Stunden einer
Außenluft ausgesetzt waren, die 60 parts per billion im Raumvolumen
Stickoxide enthielt.
Stickoxide entstehen in Verbrennungsmotoren, und TSNA waren folglich auch in
der Fahrerkabine eines LKW-Fahrers nachweisbar, der aktiver Raucher war. Die
Konzentration ist keineswegs gering. Die Forscher schätzen, dass bis zu 0,4
Prozent des Nikotins in den Ablagerungen in das Karzinogen umgewandelt werden.
Über den Staub oder die Haut könnten die Karzinogene rasch vom Körper
aufgenommen werden, schreiben sie. Welches Risiko die TSNA darstellen, lässt
sich aus dem reinen Nachweis der Stoffe natürlich nicht schließen. Hierzu
dürften aber demnächst experimentelle Studien durchgeführt werden.
Die Forscher könnten sich vorstellen, dass in Raucherwohnungen vor allem
Säuglinge und Kleinkinder gefährdet sind, da diese die Karzinogene auch oral
aufnehmen. Durch regelmäßiges Lüften können die Karzinogene nicht aus der
Wohnung entfernt werden, schreiben sie.
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