Berlin – Die gesundheitlichen Schäden durch jahrelange Arbeitslosigkeit sind nach einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) deutlich größer als bislang angenommen. Jeder fünfte bis sechste Erwerbslose müsse gesundheitliche Einschränkungen hinnehmen, sagte der DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy der „Rheinpfalz am Sonntag“. Das seien gut eine halbe Million Betroffene. Mehr als doppelt so häufig als Beschäftigte bewerten demnach Arbeitslose ihren Gesundheitszustand als mittelmäßig bis sehr schlecht.
Allein in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahren hätten sich nach Angaben der Arbeitsagenturen 1,7 Millionen Arbeitslose krank gemeldet, sagte Adamy weiter. Das seien rund 13 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Mit 35 Tagen habe schon 2007 die durchschnittliche Krankheitsdauer mehr als dreimal so hoch gelegen wie bei pflichtversicherten Angestellten und zweieinhalb mal so hoch wie bei Arbeitern. Dabei müsse von einer erheblichen Dunkelziffer ausgegangen werden, da sich Erwerbslose bei Kurzzeiterkrankungen in der Regel nicht krank meldeten.
Vor allem bei psychischen Störungen liegt die Krankheitsdauer demnach um das vierfache höher als bei pflichtversichert Beschäftigten. Die Erwerbslosen sei die Gruppe mit dem stärksten Anstieg der psychisch bedingten Krankheitstage. Mehr als jedem siebten Arbeitslosengeldempfänger würden inzwischen Psychopharmaka verordnet. "
„Arbeitslosigkeit wird zum Stress eigener Art", sagte Adamy. Die Lebensgestaltung mit immer geringeren finanziellen Mitteln und die Verarbeitung von Misserfolgen bei Bewerbungen wirkten sich ungünstig auf sie psychische Gesundheit von Langzeitarbeitslosen aus. Adamy forderte eine bessere Gesundheitsvorsorge bei Arbeitslosen, was zugleich auch deren Vermittlungschancen erhöhe und Folgekosten verringere.
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