Baltimore – US-Forscher haben eine Methode entwickelt, die DNA von soliden Tumoren im Blut nachweist. Der in Science Translational Medicine beschriebene Test könnte in Zukunft die Nachsorge von Tumorpatienten verbessern.
Im Staging von Leukämien und Lymphomen werden genetische Eigenschaften der Tumorzellen bereits benutzt, um die Therapie individuell auf das Malignom abzustimmen. Für solide Tumoren gibt es bisher nur relativ unspezifische Tumormarker wie das PSA beim Prostatakarzinom oder CA125 beim Ovarialkarzinom.
Die zerfallenden Zellen solider Tumore setzen allerdings DNA frei, die im Blut mittels Gensonden (Polymerasekettenreaktion) nachweisbar wären. Sie müssen dort aber von der DNA gesunder Zellen unterschieden werden.
Im ersten Schritt musste die Gruppe um Victor Velculescu vom Kimmel Cancer Center in Baltimore deshalb Abschnitte in der DNA der Tumoren finden, die in den übrigen Zellen des Körpers fehlen. Velculescu konzentrierte sich dabei auf den größeren Austausch an den Chromosomenenden, der leichter zu finden ist als einzelne Punktmutationen.
Mit der „Personalized Analysis of Rearranged Ends“ (PARE) gelang es den Forschern tatsächlich in den sechs untersuchten Tumorproben zwischen vier und 15 „DNA-Rearrangements“ zu finden, wofür allerdings etwa 40 Millionen Basenpaare sequenziert werden mussten.
Dies ist auch mit modernem Equipement recht aufwändig und erklärt die Kosten von etwa 5.000 US-Dollar für die Entwicklung des Tests, der für jeden Tumor einzeln angefertigt werden muss. Weitere 500 US-Dollar werden später bei der Anwendung fällig, schätzen die Autoren.
Doch der resultierende Bluttest scheint ein geeigneter Tumormarker für die Therapiebegleitung zu sein. Bei zwei Patienten mit Kolorektalkarzinom zeigte der Test einen deutlichen Rückgang der Tumor-DNA nach der Operation an. Bei einem der beiden Patienten kam es wenige Wochen später zu einem erneuten Anstieg.
Nach einer Chemotherapie und einer zweiten Operation fiel der genetische Biomarker wieder ab – bis auf eine geringe, aber messbare Konzentration. Sie konnte später auf eine kleine Metastase in der Leber zurückgeführt werden.
Die Studie zeigt, dass es im Prinzip möglich ist, personalisierte Biomarker bei Krebspatienten zu identifizieren. Ob sie aber in der Lage sind, die Situation der Patienten zu verbessern, bleibt abzuwarten. Velculescu hält es sogar für möglich, den Test auch zum Nachweis von Tumormaterial in den Randschnitten des Operationsgebiets zu nutzen.
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