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Kangaroo-Care verhindert Totgeburten in Entwicklungsländern

Montag, 22. Februar 2010

Birmingham – Das Essential Newborn Care-Programm der Welt­gesund­heits­organisation (WHO) hat in einer Studie im New England Journal of Medicine (2010; 362: 614-623) die Zahl der Totgeburten gesenkt. Eine Ausbildung in die intensive Wiederbelebung Neugeborener nach US-Vorbild war dagegen unwirksam.

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In Ermangelung einer modernen neonatologischen Versorgung sterben weltweit jedes Jahr 3,7 Millionen Menschen bei der Geburt. Viele überleben nur deshalb nicht, weil die Geburtshelfer die Lebenszeichen des Kindes nicht erkennen und fälschlicherweise eine Totgeburt diagnostizieren, wenn die Atmung nicht ohne Hilfestellung einsetzt.

Das Essential Newborn Care Programm der WHO hat Kurse zur Ausbildung der Geburtshelfer entwickelt, die hier Abhilfe schaffen können. Es wird als “Kangaroo-Care” bezeichnet, da die Neugeborenen nach der Geburt auf den Bauch der Mutter gelegt werden, wo sie Wärme und Muttermilch erhalten.

Der Kurs vermittelt aber auch Kenntnisse, wie durch Stimulierung des Neugeborenen (Berühren der Fußsohlen oder ein Reiben am Rücken) der Beginn der Atmung stimuliert werden kann. Das American Academy of Pediatrics Neonatal Resuscitation Program geht wesentlich weiter. Es umfasst auch Techniken zur Beatmung der Neugeborenen.

Um diese Kenntnisse zu vermitteln, luden Waldemar Carlo, Universität von Alabama in Birmingham, und Mitarbeiter eine Reihe von Geburtshelfern aus Argentinien, der Demokratischen Republik Kongo, Guatemala, Indien, Pakistan und Sambia zu Fortbildungen ein. In ihr Heimatland zurückgekehrt sollten sie ihre neuen Kenntnisse dann an weitere Geburtshelfer weitergeben.

Dieses Schneeballsystem scheint funktioniert zu haben, denn die Rate der Totgeburten ging um ein Drittel zurück (relatives Risiko 0,69; 0,54 bis 0,88). Das anspruchsvollere Neonatal Resuscitation Program blieb dagegen ohne Wirkung. Außerhalb der hochtechnisierten Umgebung eines Krankenhauses scheint die aggressive Wiederbelebung von Neugeborenen keinen Sinn zu machen.

Das Essential Newborn Care Programm der WHO könnte jedoch jedes Jahr eine Million Totgeburten verhindern, rechnen die Autoren hoch. Ein zweites Ziel wurde nicht erreicht. Die Zahl der perinatalen Todesfälle in den ersten 7 Tagen nach der Geburt wurde nicht gesenkt.

Es gab hier aber auch keinen Anstieg, so dass man davon ausgehen kann, dass die Rettung der (vermeintlich) Totgeborenen ein echter Gewinn ist und nicht durch vermehrte Todesfälle in den ersten Lebenstagen wieder verloren geht. © rme/aerzteblatt.de

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