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Risiko-Gen für „frühes“ Vorhofflimmern

Montag, 22. Februar 2010

München/Boston – Die sogenannte Lone Atrial Fibrillation (Lone AF), eine bei jüngeren ansonsten kardial gesunden Personen auftretende Form des Vorhofflimmern, wird durch Varianten in einem Gen für einen Kaliumkanal begünstigt. Dies ergab eine genomweite Assoziationsstudie in Nature Genetics (2010; doi: 10.1038/ng.537), die damit einen Ansatzpunkt für neue Therapien liefert.

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Schon zwei Mal hat ein internationales Forscherteam um Privatdozent Dr. Stefan Kääb von der Ludwig-Maximilians-Universität in München Genorte identifiziert, die das Risiko für das Vorhofflimmern beeinflussen. Zunächst entdeckten sie einen Genort auf dem Chromosom 16, der die Synthese eines Moleküls für die Herzentwicklung beeinflusst. Dann spürten sie neun Regionen im Erbgut auf, die sich auf die Zeitdauer des PQ-Intervalls im EKG auswirken.

Ihre jetzige Studie erklärt – wenigstens teilweise – die positive Familienanamnese der “Lone AF”. Unter diesem Begriff werden die rund 10 Prozent aller Patienten mit Vorhofflimmern zusammengefasst, die bereits vor dem 60. Lebensjahr erkranken, ohne dass eine Erklärung hierfür gefunden wird: Die Patienten haben keine klinischen kardialen Auffälligkeiten, der EKG-Befund ist bis auf das Vorhofflimmern normal. Sie haben keine arterielle Hypertonie und der linke Vorhof ist nicht vergrößert.

Da die Erkrankung familiär gehäuft auftritt, wurde eine genetische Prädisposition angenommen, der Kääb zusammen mit Patrick Ellinor vom Massachusetts General Hospital in Boston unter Mitarbeit von mehr als 50 anderen Zentren aus den USA, den Niederlanden, Estland, Island und Deutschland in einer Meta-Analyse nachgegangen ist.

Die Forscher werteten die Ergebnisse von fünf genomweiten Assoziationsstudien aus. Der Vergleich von 1.335 Personen mit Lone AF und 12.844 Kontrollen führte dann zur Entdeckung einer Genvariante auf dem Chromosom 1q21, deren Träger ein um 56 Prozent erhöhtes Risiko haben, an einer Lone AF zu erkranken. Der Befund ist kein Zufallsergebnis, weil es an zwei weiteren genomweiten Assoziationsstudien mit 1.000 Patienten und 3.500 Kontrollen bestätigt werden konnte.

Es handelt sich um einen Glückstreffer, da sich die Varianten (anders als bei früheren Untersuchungen dieser Art) nicht auf einem “unsinnigen” Abschnitt der DNA befinden, sondern auf einem Gen, das ein Protein kodiert – auch wenn die Varianten selbst sich auf einem Intron befanden, das heißt einem Abschnitt, der nicht in ein Protein umgesetzt wird.

Das im Gen kodierte Protein ist ein Kaliumkanal, was eine pathogenetische Rolle beim Vorhofflimmern plausibel macht. Denn Kaliumkanäle sind an der Erregungsbildung des Herzens beteiligt. Die exakte Rolle von KCNN3 ist nach Auskunft von Ellinor zwar nicht bekannt.

Ein ähnliches Protein, KCNN2, sei aber bei Tieren an der Entstehung des Vorhofflimmerns beteiligt. Weitere Studien sollen nun zeigen, wie genau die Variante die Bereitschaft zum Vorhofflimmern beeinflusst und ob dies durch Medikamente gezielt beeinflusst werden kann. © rme/aerzteblatt.de

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