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FDA: Noch keine Entscheidung zu Avandia

Dienstag, 23. Februar 2010

Washington – Die amerikanische Arzneibehörde FDA hat es abgelehnt, die Verordnung des umstrittenen Diabetesmedikaments Avandia® (Wirkstoff: Rosiglitazon) einzuschränken. Vorausgegangen war ein Gutachten zweier Kongress-Abgeordneter, die – wie zuvor zwei FDA-Mitarbeiter – ein Verbot von Avandia forderten sowie den Stopp aller klinischen Studien.

Die New York Times zitierte am Dienstag aus einem bizarren Gespräch, das Firmenvertreter mit dem Kardiologen David Nissen geführt hatten, der die Diskussion über die möglichen kardialen Risiken angestoßen hatte.

Das New England Journal of Medicine hatte am 21. Mai 2007 auf Ihrer Internet-Seite jene Meta-Analyse publiziert, in der Steven Nissen von der Cleveland Clinic zu dem Ergebnis kam, dass Rosiglitazon das Risiko auf einen Herzinfarkt signifikant um 43 Prozent erhöht. Außerdem war das Risiko von kardiovaskulären Todesfällen, allerdings nicht signifikant um 64 Prozent erhöht.

Elf Tage vorher hatte Nissen Besuch von vier Vertretern der Firma. Der Kardiologe ahnte wohl, worum es gehen wird, und zeichnete das Gespräch heimlich auf (was in Ohio legal ist). Nach einem Bericht in der New York Times, die ausführlich aus dem Typoskript zitiert, muss es eine bizarre Unterhaltung gewesen sein.

Beide Seiten spielten mit verdeckten Karten. Nissen erwähnte nicht, dass er die Ergebnisse der Meta-Analyse bereits zur Publikation eingereicht hatte. Und die Firmenvertreter taten so, als würden sie den Inhalt nicht kennen, obwohl ihnen das Material (vermutlich von einem Peer Reviewer) zugespielt worden war, was der Hersteller inzwischen eingestanden hat.

Abgestritten wird, dass die Firmenvertreter zum Zeitpunkt des Gesprächs bereits die Zwischenergebnisse der Record-Studie kannten, die zwei Monate später im New England Journal of Medicine publiziert wurde (2007; 357: 28-38) und mit der der Hersteller die Sicherheit seines Medikamente belegen wollte.

Nach Aussage Nissens hat eine Gesprächsteilnehmerin jedoch die Hazard Ratio im Endpunkt der Record-Studie bis auf eine Zehntelstelle hinter dem Komma in einem hypothetischen Szenario genannt. Doch das ist Schnee von gestern.

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Inzwischen wurden die Endergebnisse der RECORD-Studie im Lancet (2009; 373: 2125-35) publiziert. Aus ihnen geht hervor, dass die Zahl der kardiovaskulären Todesfälle und der kardiovaskulären Hospitalisierungen (primärer Endpunkt der Studie) unter Rosiglitazon nicht erhöht ist.

Gleichzeitig kam heraus, dass das Risiko einer Dekompensation einer Herzinsuffizienz und von Knochenbrüchen bei Frauen erhöht ist, was bekannt war und längst Gegenstand von Warnhinweisen in den Fachinformationen ist.

Ob Rosiglitazon jedoch auch das Herzinfarktrisiko erhöht, wie Nissen behauptet, ist aus Sicht der FDA weiter offen. Die Arzneibehörde hat es deshalb am Montag abgelehnt, die Zulassungsbedingungen zu verändern oder das Medikament ganz zu verbieten, wie dies zwei FDA-Mitarbeiter 2008 in einem internen Memorandum gefordert hatten.

Am Wochenende veröffentlichte das Committee no Finance des US-Senats die Ergebnisse eines Gutachtens, in dem die beiden Senatoren Max Baucus und Chuck Grassley zu dem Schluss kommen, der Hersteller habe von vornherein von den kardiovaskulären Risiken gewusst und dabei inkauf genommen, dass zehntausende Menschen infolge des Medikaments an einem Herzinfarkt gestorben sind.

Die Senatoren fordern deshalb auch den Abbruch der TIDE-Studie, deren Durchführung die FDA mit dem Hersteller im Jahr 2007 verabredet hat, um die kardiovaskuläre Sicherheit des Medikaments weiter zu prüfen. Die Ergebnisse dieser Studie werden unter clinicaltrials.gov für den Oktober 2015 angekündigt.

So lange dürfte die Sicherheitsprüfung der FDA nicht dauern. Die Behörde kündigte für den Juli dieses Jahres eine öffentliche Sitzung an, auf der neue Ergebnisse aus einer erneuten Analyse der Record-Studie sowie aus anderen Studien vorgestellt werden sollen. © rme/aerzteblatt.de

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