Medizin

Britische Politiker fordern Verbot der Homöopathie

Dienstag, 23. Februar 2010

London – Ein Ausschuss des britischen Unterhauses kommt in einem 275-seitigen Gutachten zu dem Ergebnis, dass die Homöopathie nichts weiter als ein Placebo sei. Der Gesetzgeber wird aufgefordert, die Mittel aus dem Leistungskatalog des staatlichen Gesundheitsdienstes (NHS) zu streichen.

Die Zulassungsbehörde (MHRA) solle homöopathische Medikamente nur noch zulassen, wenn die Wirksamkeit in randomisierten klinischen Studien belegt ist, also niemals. Angesichts der Fülle von Belegen zur Unwirksamkeit seien weitere Untersuchungen zur Wirksamkeit der Homöopathie nicht notwendig. Punkt.

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Die British Homeopathic Associations hat den Bericht erwartungsgemäß als „engstirnig und oberflächlich“ kritisiert. Die Zufriedenheit der Patienten spreche doch klar für die Wirksamkeit der Therapie.

Würden die Homöopathie-Abteilungen des NHS geschlossen, müssten die Patienten auf wesentlich teurere Medikamente ausweichen. Und das sei angesichts der Kostenkrise im Gesundheitswesen sicherlich nicht hilfreich.
 

Am 30. Januar hatte eine Gruppe von Homöopathie-Skeptikern vor einer Filiale der Drogerie-Kette Boots einen „10 hoch 23-Event“ veranstaltet. Jeder Teilnehmer der unternahm vor laufenden Kameras (you tube) einen Suizidversuch, indem er den gesamten Inhalt eines Fläschchens homöopathischer Mittelchen auf einmal schluckte, im Vertrauen auf die Avogadro-Konstante (ca. 6 x 10 hoch 23 ist die Anzahl der Moleküle in einem Mol), nach der in den hoch verdünnten homöopathischen Präparaten keine toxischen Konzentrationen zu erwarten sind. Alle Teilnehmer sollen überlebt haben.

© rme/aerzteblatt.de

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H.Blog
am Donnerstag, 27. Januar 2011, 09:49

Homöopathie und die Kampagne 10:23 des Vereins GWUP e.V.

Der obige Verweis auf die Kampagne „10 hoch 23-Event“ist aktueller denn je. Der Skeptiker-Verein GWUP e.V. (eine ideologische Gruppierung) nutzt die Aktion dieser Tage für sein Vereins-Marketing:

Etikettenschwindel: GWUP inszeniert 10:23-Kampagne. Potemkinsche Dörfer der Skeptiker-Bewegung und die Aktion „homöopathische Überdosis”.

http://www.psychophysik.com/h-blog/?p=13061

Der wissenschaftliche Wert dieser Aktion ist gleich NULL.

Rainer Lüdtke, Biometriker der Carstens-Stiftung, kam 2011 in einem Vortrag zu dem Ergebnis: „Die Aktion 10:23 hat zwar einen hohen Kampagnenwert, jedoch keinerlei wissenschaftliche Beweiskraft“. Wissenschaftlichen Voraussetzung – schon im Organon von Hahnemann klar definiert – wurden in keiner Weise eingehalten. „Es gab keine geeigneten Kontrollbedingungen, keine aussagekräftigen Messverfahren und keine richtige Dosierung“, erklärt Lüdtke, „unter diesen Voraussetzungen können keine wissenschaftlich verwertbaren Aussagen generiert werden.“

Aber um wissenschaftlich verwertbaren Aussagen geht es der 10:23-Kampagne ja auch nicht.

Im Vordergrund steht PR für den Verein GWUP e.V. und die Skeptiker-Ideologie.
Maya1
am Dienstag, 16. März 2010, 15:51

gut zu verstehen....................

vielleicht mögen Sie das mal widerlegen..............

http://www.homoeopathie-konkret.de/Resources/Wissenschaft-3.09_Teil_1.pdf

http://www.homoeopathie-konkret.de/Resources/Wissenschaft-3.09_Teil_2.pdf

ich bin gespannt :-)
fsim
am Mittwoch, 3. März 2010, 15:14

Neu?

Hier wird nichts Neues festgestellt. Aber einige haben noch nicht verstanden .... mal einlesen? -> http://medctr.de/index.php?page=hom
H.Blog
am Mittwoch, 3. März 2010, 11:53

Offene Fragen zum Evidence Check 2: Homeopathy

Hier noch der Link zu einem Interview, in dem es um Schwachstellen des britischen Gutachtens geht:

http://bit.ly/bw0zdd

Es geht in diesem Interview um folgende Themen:

1. Wissenschaftliche Expertise

2. Bewertungs-Kriterien

3. Öffentliche Anhörung

4. Shang et al. 2005
H.Blog
am Montag, 1. März 2010, 10:54

Evaluierung Schweiz versus Evaluierung UK

Wer sich für die Evaluierung des britischen Unterhauses ernsthaft interessiert, für den könnte ein Vergleich mit der "Konkurrenz"-Evaluierung in der Schweiz interessant sein.

Im Rahmen des vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) der Schweiz initiierten „Programms Evaluation Komplementärmedizin“ (PEK) wurde ein Health Technology Assessments (HTA) durchgeführt. Das PEK bestand aus einem Feldstudienprojekt und einem Literaturprojekt. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgte durch einen Lenkungsausschuss, eine Expertengruppe und ein international besetztes Reviewboard.

Das Schweizer HTA fiel für die Homöopathie positiv aus.

In Großbritannien fand eine öffentliche Anhörung statt. Die Bewertung der Anhörung fand jedoch (frei nach dem Prinzip "Peter Sawicki/IQWiG" in den Hinterzimmern des Unterhauses statt. Die Bewertung wurde von Politikern (nicht wie beim Schweizer HTA von Wissenschaftlern) ausgekungelt. Mir liegt bisher kein Dokument vor, welches die Bewertungskriterien für die Öffentlichkeit transparent macht und dokumentiert.

Das bewerte ich als starkes Indiz dafür, dass es hier im Kern um POLITIK und nicht um WISSENSCHAFT ging.

Nach meiner persönlichen Einschätzung war die Anhörung des britischen Unterhauses eine reine Alibi-Veranstaltung. Ähnlich, wie die Gründe für die Entlassung von Peter Sawicki Alibi-Gründe waren. Die Urheber sind meines Erachtens sowohl im Fall Sawicki als auch im vorliegenden Fall identisch:

Pharmalobbyisten - seit der Schweinegrippe auch öffentlich bekannt für ihr aggressives Auftreten - wollten sich von einem Störenfried (Umsatzverluste durch den Erfolg von CAM-Therapien) befreien. Dieses Verhalten ist inzwischen so auffällig, dass es sogar den Weg in wissenschaftliche Journale gefunden hat (Prof. Harald Walach, „The campaign against CAM“, Journal of holistic healthcare, Volume 6 Issue 1 May 2009).

Siehe auch:
http://bit.ly/92xUGN

Bezeichnend ist weiterhin, dass sich die britische Pharmalobby-Gruppe gleich noch gegen die ERFORSCHUNG der Homöopathie wandte. Genau hier liegt die empfindliche Stelle, um die es im Kern ging. Siehe hierzu auch:

http://bit.ly/cKkyxd

Die Fokussierung auf die Homöopathie hat meines Erachtens rein taktische Gründe. Es geht in Wirklichkeit um den Einfluss von Organisationen wie der International Society for Complementary Medicine Research (ISCMR, www.iscmr.org), deren Arbeit zur Folge hat, dass immer mehr CAM-Therapien das Gütesiegel "nach EBM-Kriterien wirksam" erhalten.

Bekommt eine Therapieform - wie z. B. in Deutschland nach den Gerac-Studien http://www.gerac.de/ - die "Kassenzulassung", dann ist dies gleichbedeutend mit erheblichen Umsatzverlusten für Pharmaunternehmen.

Und genau um dieses Thema geht es ...
Ökologe
am Samstag, 27. Februar 2010, 12:23

Plazeboeffekt ist doch schon viel

Die Hömöopathie bietet eine gute Möglichkeit den Plazeboeffekt für den der daran glaubt ohne Nebenwirkungen immer wieder neu herbeizuführen. Eine weitere Möglichkeit ist es den Plazeboeffekt zum Beispiel durch gesunde Nahrungsmittel oder Aktivitäten herbeizuführen. Ich persönlich glaube an die symbiotische Koevolution zwischen bestimmten Früchten (z. B.: Mangos) und unseren Vorfahren. Es ist naheliegend, dass die Fruchtpflanzen an der Vitalität ihrer Verbreiter interessiert sind.
Die modernen Antidepressiva kommen in ihrer Wirkung bei leichten und mittleren Depressionen laut kürzlich veröffentlichter Metastudie im Ärzteblatt nicht über den Plazeboeffekt hinaus. Zusätzlich denke man an die bekannten Nebenwirkungen und die teils unveröffentlichten Studien.
Somit kann ich nur folgern, dass die Anwender der Hömöopathie zumindest bei manchen Krankeiten intuitiv das Richtige tun.
doc.nemo
am Freitag, 26. Februar 2010, 09:54

Homöopathie ist nicht zu verstehen

Hat denn promisit eine Ahnung davon, wie Homöopathie funktioniert? Oder sonst irgendein Homöopath? Ganz sicher nicht, denn es fehlt ihr jegliche naturwissenschaftliche und pharmakologische Basis. Wer an die Theorien von Hahnemann glaubt, zeigt nur, dass er in den Physik-, Chemie- und Pharmakologiekursen während des Studiums nicht aufgepasst - oder nichts verstanden hat.
vic99
am Mittwoch, 24. Februar 2010, 15:51

Nichts falsch verstanden

Man braucht Homöopathie nicht als unwirksam zu 'deklarieren', sie bzw. die homöopathischen Arzneimittel, ist es nachgewiesenermassen.
Die Teilnehmer des Events haben nichts anderes getan, als die Aussagen sog. 'Homöopathie-Experten' ernst genommen.
Dass es den Erkrankten aufgrund dieser sog. Medikamente besser geht wäre erst einmal nachzuweisen. Und genau das ist noch nie gelungen.
Bei allen ernstzunehmenden und nachvollziehbaren Studien hatten Placebos den gleichen Effekt (sie haben ebenfalls gemäß dem sehr mächtigen, von Homöopathen aber geleugneten, Placebo-Effekt gewirkt, den Erkrankten ging es in gleichem Maße besser).
Zu den 'Interessen':
Es geht wohl eher um die Interessen der Hersteller homöopathischer Mittelchen, denen die Millionen-Gewinne plötzlich wegfallen. (Die angeblich so armen Firmen, die sich keine Studien leisten können, schwimmen nämlich im Geld, dazu einfach mal die Bilanzen der entsprechenden Unternehmen ansehen, davon träumen andere nur)
Es ist halt ungleich schwerer, Zuckerkügelchen (1 kg ca. 20 EUR) in 5-10 Gramm Fläschchen für 3-5 EUR und mehr zu verscherbeln, wenn nicht 'Arznei' drauf steht.

promisit
am Mittwoch, 24. Februar 2010, 07:58

Falsch verstanden

Die Interessen, die dahinter stehen, Homöopathie als unwirksam zu deklarieren, sind nicht das Wohlbefinden der kranken Menschen. Die Teilnehmer des 10hoch23-Event haben damit alle bewiesen, dass sie keine Ahnung haben, wie Homöopathie funktioniert. Letztendlich entscheidend ist doch nur, dass es den Erkrankten "nachhaltig" besser geht.
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