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Gentherapie korrigiert spinale Muskelatrophie bei Mäusen

Montag, 1. März 2010

Columbus – US-Forscher haben die spinale Muskelatrophie (SMA) bei Versuchstieren durch eine Gentherapie korrigiert. Ein Erfolg ist laut der Publikation in Nature Biotechnology (2010; doi: 10.1038/nbt.1610) allerdings nur zu erwarten, wenn die Therapie frühzeitig nach der Geburt erfolgt.

Eines von 6.000 Kindern (US-Zahlen) wird mit einem Defekt in einem Gen für das SMN-Protein (Survival motor neuron) geboren. Die Folge ist unter Umständen eine schwere Variante der spinalen Muskeldystrophie, die meist vor dem 3. Lebensjahr zum Tode führt.

Die Gruppe um Brian Kaspar von der Ohio State University in Columbus war es kürzlich gelungen, mit einem Adenovirus etwa 60 Prozent aller Motoneurone zu infizieren, deren Ausfall infolge des defekten SMN-Proteins zum Muskelschwund führt.

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Jetzt haben sie die Adenoviren mit einer gesunden Version des Gens beladen und damit Mäuse mit einer SMA intravenös injiziert. Wie von anderen Formen der Gentherapie her bekannt, luden die Adenoviren ihre genetische Fracht in den infizierten Zellen ab, und diese begannen korrekte Versionen des SMN-Proteins zu bilden.

Das SMN-Protein war innerhalb von zehn Tagen in verschiedenen Geweben nachweisbar, unter anderem im Rückenmark und in den Muskeln. Mehr noch: Der Muskelschwund, der sich bei den SMA-Mäusen nach wenigen Tagen manifestiert, konnte bei den gentherapierten Mäusen verhindert werden. Im Gegensatz zu einer unbehandelten Gruppe konnten die Tiere sich selbstständig aus der Rückenposition aufrichten und ihre Lebenserwartung war, soweit dies derzeit beurteilt werden kann, normal.

Diese viel versprechenden Ergebnisse wurden allerdings nur erzielt, wenn die Tiere am ersten Tag nach der Geburt behandelt wurden. Ein Beginn am 5. Tag hatte eine begrenzte Wirkung und am 10. Lebenstag kam sie bereits zu spät.

Wie lang das gentherapeutische Fenster beim Menschen wäre, vermag Kaspar nicht abzuschätzen. Es könnten einige Monate, vielleicht nur wenige Wochen sein. Auf jeden Fall muss die Therapie begonnen werden, bevor es zu einem ausgeprägten Muskelschwund gekommen ist.

Eine Frühdiagnose gelingt allerdings selten, ein Gentest ist teuer und ein Neugeborenen-Screening kommt deshalb derzeit nicht infrage. Die Forscher hoffen dennoch nach Abschluss weiterer toxikologischer Tests eine klinische Studie durchführen zu dürfen.

Die Hoffnung, dass sie beim Menschen gelingen könnte, ist durchaus berechtigt. Experimente an Makaken zeigen, wo die Adenoviren auch bei Primaten die Gene in den betroffenen Motoneuronen abladen. Sie infizieren allerdings auch andere Zellen des Zentralnervensystems, was die Verträglichkeit der Gentherapie negativ beeinflussen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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