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Das zweite Genom: Katalog der Darmbakterien erstellt

Donnerstag, 4. März 2010

Peking – Ein internationales Forscherteam unter deutscher Beteiligung hat die bisher größte genetische “Volkszählung” im menschlichen Darm durchgeführt. In Nature (2010; 464: 59-65) stellt sie ihr (vorläufiges) Ergebnis vor.

Bei den 124 Europäern, die Stuhlproben für das „Metagenomics of the Human Intestinal Tract“-Projekt zur Verfügung gestellt hatten, fand das Team um Jun Wang vom Beijing Genomics Institute-Shenzhen bisher etwa 3,3 Millionen unterschiedliche Gene, das sind 150 Mal mehr als in den menschlichen Zellen enthalten sind.

Mehr als 99 Prozent der Gene waren bakterieller Herkunft, und die Forscher schätzen, dass sie aus 1.000 bis 1.150 Spezies stammen, von denen jeder einzelne Mensch wenigstens 160 verschiedene in seinem Darm beherbergt.

Es gibt häufige und seltene Bakterien: Etwa 40 Prozent der Darmflora eines Teilnehmers wurde bei mindestens der Hälfte der anderen Personen gefunden. Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen, und da einige Teilnehmer an entzündlichen Darmerkrankungen litten, wird es noch interessante Folgepublikationen geben.

Die schätzungsweise 100 Trillionen Darmbakterien sind den Zellen des gesamten menschlichen Organismus im Verhältnis zehn zu eins überlegen. Sie werden von mehr als der Hälfte aller Abwehrzellen des Immunsystems in Schach gehalten.

Eine Störung dieses Gleichgewichts könnte durchaus an der Pathogenese von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa beteiligt sein. Einige Forscher vermuten zudem, dass die Zusammensetzung der Darmflora an der Entstehung der Adipositas beteiligt ist, da einige Bakterien die Nahrungsbestandteile für die Resorption aufbereiten (Stichwort: Futterverwerter).

Deshalb befanden sich auch einige adipöse Personen unter den Probanden der Studie. Auch hier könnte es noch zu interessanten Erkenntnissen kommen. © rme/aerzteblatt.de

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