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Medizin

Multiple Sklerose: Epstein-Barr-Virus als Risikofaktor

Freitag, 5. März 2010


Boston – Eine Fall-Kontrollstudie in den Annals of Neurology (2010; doi: 10.1002/ana.21978) bringt die Pathogenese der Multiplen Sklerose erneut mit Epstein-Barr-Viren (EBV) in Verbindung.

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Das Herpesvirus EBV steht seit längerem in Verdacht, ein möglicher Auslöser der Multiplen Sklerose zu sein, deren Ätiologie nicht bekannt ist. Das Team um Alberto Ascherio von der Harvard School of Public Health in Boston ist aber das erste, das eine Infektion zeitlich mit dem Beginn der Erkrankung in Verbindung bringt.

Dies gelang durch die Untersuchung von Serumproben, welche die US-Armee im Department of Defense Serum Repository sammelt. Seit 1985 wurden mehr als 50 Millionen Serumproben von Soldaten gelagert. Darunter waren 305 Soldaten, die während ihrer Armeezeit an einer Multiple Sklerose erkrankten.

Von diesen waren zehn Rekruten vor dem Beginn der Erkrankung EBV-negativ. Bei allen fielen die Antikörpertests nach Erkrankungsbeginn positiv aus. Dies war indes nur bei 10 von 28 Kontrollen der Fall, die nicht an einer Multiplen Sklerose erkrankten und von denen sich die meisten nicht mit EBV infizierten.

Eine lebenslange Seronegativität ist ungewöhnlich, weil sich die meisten Menschen als Kind mit EBV anstecken. Die Infektion verläuft dann in der Regel asymptomatisch. Erfolgt die Ansteckung im Teenageralter, kann es zu einer infektiösen Mononukleose kommen.

Die jetzige Studie deutet an, dass eine Erstinfektion in einem noch höheren Lebensalter die Entwicklung eine Multiple Sklerose begünstigen könnte. Eine Impfung gegen EBV (mehrere Impfstoffe sind derzeit in der Entwicklung) wäre dann eine präventive Option.

Das ist derzeit aber reine Spekulation. Denn die Studie ist kein endgültiger Beweis. Ascherio selbst nennt zwei alternative Erklärungen für seine Befunde: Es sei nicht auszuschließen, dass die EBV-Infektion eher eine Folge denn die Ursache der Multiple Sklerose ist. Denkbar sei auch, dass Menschen die EBV-negativ sind, eine genetische Resistenz gegen die Multiple Sklerose haben.

Eine Impfung wäre in beiden Fällen nutzlos. Feststehen dürfte derzeit nur, dass die Studie von Ascherio nicht die letzte zu dieser Fragestellung gewesen ist. © rme/aerzteblatt.de

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