Bad Saulgau – Migranten werden nach Ansicht von Ärzten im deutschen Gesundheitssystem diskriminiert. Fehldiagnosen und mangelnde Prävention bei Patienten mit ausländischem Hintergrund seien Anzeichen dafür, dass das System mit den Bedürfnissen dieser Patienten überfordert sei, sagte die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Elif Duygu Cindik.
„Vieles deutet daraufhin, dass sie im deutschen Gesundheitssystem nicht präsent sind, weil sie oft nicht wissen, welche Leitungen sie in Anspruch nehmen können und an wen sie sich wenden können“, sagte die Oberärztin einer Fachklinik im oberschwäbischen Bad Saulgau.
So seien Migranten bei Präventionsangeboten unterrepräsentiert, kämen dafür umso häufiger zur Notfallambulanz. „Sie kommen oft erst in letzter Minute“, sagte Cindik. Dies verursache gravierende Kosten.
Viele Fehldiagnosen basierten zudem auf kulturbedingten Missverständnissen. „In manchen Ländern gibt es ein anderes Krankheitsverständnis. Viele Migranten schildern ihre Krankheitssymptome etwa nicht organbezogen. Sie beschreiben ein komplettes Unwohlsein. Wir müssen mit unserem westlichen Krankheitsverständnis dann herausfinden, was der Patient uns sagen will und was die Ursache seiner Beschwerden ist“, sagte sie.
Darüber hinaus gebe es Studien, wonach Migranten bei den typischen Kenngrößen für Volksgesundheit wie Säuglingssterblichkeit, Zahngesundheit oder Impfungsraten deutlich schlechter abschnitten als Deutsche. Um dies besser verstehen zu können, müssten Krankenhäuser künftig auch die ethnische Zugehörigkeit ihrer Patienten erfassen, forderte die Migrantenexpertin.
In anderen Einwanderungsländern wie den USA sei die Erfassung ethnischer Zugehörigkeit ganz normal. Es gehe darum, soziale Unterschiede wie schlechtere Wohn- oder Arbeitsbedingungen und unterschiedliche Krankheitsrisiken früh zu erkennen.
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