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Medizin

Ritalin verändert das Gehirn

Montag, 8. März 2010

San Francisco – Der Ritalin®-Wirkstoff Methylphenidat wirkt in den Corpora amygdaloideum auf zwei verschiedene Dopamin-Rezeptoren, was nach einer Studie in Nature Neuroscience (2010; doi: 10.1038/nn.2506) die unterschiedlichen Wirkungen einmal auf die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und dann auf die Lernfähigkeiten erklären könnte. Dabei scheint es zu dauerhaften Veränderungen im Gehirn zu kommen.

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Die beiden mandelförmigen Kernregionen im medialen Teil des Temporallappens gelten als wichtige Zentren für das Lernen und für das emotionale Gedächtnis. Störungen in den basolateralen Abschnitten der Amygdala waren zuletzt mit der AHDS in Verbindung gebracht worden.

Dies veranlasste die Gruppe um Antonello Bonci vom Ernest Gallo Clinic and Research Center in San Francisco, diese Hirnregion bei der Ratte systematisch zu untersuchen. Dabei stellten sie fest, dass eine spezielle Bindungsstelle für den Neurotransmitter Dopamin, der D2-Rezeptor, die Fähigkeit der Tiere beeinflusste, sich auf eine bestimmte Aufgabe zu konzentrieren.

Über diesen Rezeptor werden auch die Wirkungen von Methylphenidat bei der ADHS vermittelt. Doch Methylphenidat wirkte noch auf einen weiteren Rezeptor, den D1-Rezeptor. Er scheint für die besseren Leistungen der Tiere in einem Lernversuch verantwortlich zu sein, denn diese Vorteile traten nach der gezielten Blockade der D1-Rezeptoren nicht mehr auf. Die Wirkung von Methylphenidat auf die Konzentration wurde dagegen durch eine Blockade des D2-Rezeptors verhindert.

Die Studie bestätigt damit, dass Methylphenidat eine doppelte Wirkung auf die Aufmerksamkeitsstörung und auf kognitive Leistungen hat. Dies hat dazu geführt, dass Ritalin nicht nur zur Behandlung der ADHS eingesetzt wird, sondern zunehmend ein Missbrauch zur Steigerung kognitiver Leistungen stattfindet. Die Erkenntnis, dass beide Wirkungen über unterschiedliche Rezeptoren vermittelt werden, könnte zur Entwicklung neuer gezielter Wirkstoffe führen.

Die Untersuchung beförderte noch eine weitere Erkenntnis zutage: Methylphenidat veränderte die synaptischen Verknüpfungen in der Amygdala. Es könnte also eine über die Dauer der Anwendung hinaus bestehende Wirkung bestehen. Ob dies positive oder doch eher nachteilig für den Anwender ist, lässt sich aus tierexperimentellen Studien schwerlich ableiten. © rme/aerzteblatt.de

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