Glaukom: Erhöhter Augeninnendruck muss nicht immer behandelt werden
Dienstag, 9. März 2010
dpa
St. Louis – Nicht alle Patienten mit erhöhtem Augeninnendruck (IOP) profitieren gleichermaßen von einer medikamentösen Glaukomprophylaxe. Nach einer Auswertung der Ocular Hypertension Treatment Study in den Archives of Ophthalmology (2010; 128: 276-287) scheint bei Patienten mit geringem Risiko eine abwartende Haltung gerechtfertigt zu sein.
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Erst 2002 belegte die Ocular Hypertension Treatment Study (OHTS), was Ophthalmologen schon seit langem behaupteten: Die Senkung des IOP kann einem Glaukom vorbeugen. Genauer gesagt senkte die Therapie über 5 Jahre das Risiko auf ein Glaukom um 60 Prozent und dies obwohl der IOP in der Studie im Durchschnitt nur um 20 Prozent gesenkt wurde.
Nach ihrem Abschluss wurde die randomisierte Interventionsstudie OHTS als Beobachtungsstudie weitergeführt: Auch die Teilnehmer im Placebo-Arm wurden medikamentös behandelt. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse dieser zweiten Phase der OHTS nach insgesamt 13 Jahren zeigen, ebenfalls wenig überraschend, dass Patienten mit einem hohen Glaukomrisiko den größten Nutzen von der medikamentösen Prophylaxe haben.
Im Tertil mit dem höchsten Risiko-Score erkrankten 40 Prozent der Studienteilnehmer, die erst nach dem Abschluss der Interventionsstudie mit der Therapie begonnen hatten, gegenüber nur 28 Prozent der Patienten, die von Anfang an Medikamente gegen eine hohen IOP erhalten hatten. In dieser Hochrisikogruppe mussten nur 7 Patienten behandelt werden, um eine Glaukomerkrankung zu verhindern (Number Needed to Treat).
Bei den Teilnehmern in der Tertile mit dem niedrigsten Risiko hatte die frühzeitige Therapie dagegen nur geringe Auswirkungen auf das Glaukomrisiko. Die Gruppe um Michael Kass von der Washington University School of Medicine in St. Louis errechnet eine Number Needed to Treat von 98 Patienten.
Da alle Patienten potenziellen Nebenwirkungen der Therapie ausgesetzt sind, ist dies ein ungünstiger Wert. Für den Editorialisten Alfred Sommer von der Bloomberg School of Public Health in Baltimore (Arch Ophthalmol 2010; 128: 363-364) stellt sich die Frage, ob diese Patienten wirklich von Anfang an behandelt werden sollten oder ob eine abwartende Haltung gerechtfertigt ist.
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