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Medizin

Herpesviren können vererbt werden

Mittwoch, 10. März 2010

Tampa – Nach einer Infektion integriert das humane Herpesvirus 6 (HHV-6) sein Genom dauerhaft in die Telomere der Chromosomen. Bei einer Infektion der Keimzellen kann der Bauplan auf die nächste Generation übertragen werden, wo die Viren nach einer Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2010, doi: 10.1073/pnas.0913586107) wieder aktiviert werden können. HHV-6 ist damit das erste bekannte humane Virus, das vererbt wird.

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HHV-6 wurde 1986 von Robert Gallo am US-National Cancer Institute entdeckt. Kurzzeitig galt es als möglicher Erreger der Immunschwäche Aids. Doch glücklicherweise löst es beim Menschen nur ein Exanthema subitum aus, auch als Roseola infantum oder Drei-Tage-Fieber bekannt. Fast alle Kinder infizieren sich in den ersten Lebensjahren.

Etwa ein Prozent trägt das Virus bereits bei der Geburt in sich. Es hat das Virus mit den Genen von Vater oder Mutter erhalten. Eine solche Vererbung wird seit einiger Zeit vermutet. Den letzten Beweis liefert jetzt eine Versuchsserie von Peter Medveczky von der Universität von Süd-Florida in Tampa.

Dem Forscher war aufgefallen, dass HHV-6 sein Erbgut nicht wie andere Herpesviren in einem Episom separat von den Chromosomen ablegt. Die Gene werden stattdessen in die Telomere der Chromosomen eingelagert. Damit können sie theoretisch auf die nächste Generation übertragen werden, wenn die Herpesviren zufällig auch die Keimzellen infizieren.

Für diese Möglichkeit spricht, dass Medveczky die HHV-6-Gene in einigen Fällen bei Kindern und Eltern an exakt der gleichen Position in den Telomeren fand. Ein Zufall erscheint ihm ausgeschlossen. Medveczky konnte auch nachweisen, dass diese ererbten Gene in der nächsten Generation wieder aktiviert werden können und sich zu neuen Herpesviren formen.

Unklar ist derzeit noch, ob dies irgendwelche Nachteile für die Erben hat. Denkbar ist, dass das Immunsystem die Viren, weil bereits nach der Geburt vorhanden, nicht als fremd erkennt und diese deshalb eine höhere Pathogenität entfalten. HHV-6 haben eine gewisse Affinität zum Hirngewebe und immer wieder werden sie mit Enzephalitis, Epilepsien und der Multiplen Sklerose in Verbindung gebracht. Sie werden bei diesen Erkrankungen häufiger als bei Gesunden im Gehirn gefunden.

Eine ätiologische Rolle ist jedoch nicht belegt. Die Tatsache, dass einige Viren die dauerhafte Integration ins menschliche Genom schaffen, wird die Forschung auf diesem Gebiet sicherlich wieder reaktivieren. © rme/aerzteblatt.de

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