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Blutdruck-Schwankungen als Schlaganfallrisiko

Montag, 15. März 2010

Oxford – Langfristige Schwankungen im Blutdruck könnten bei Hypertonikern ein eigenständiger Risikofaktor sein. In einer Kohortenstudie im Lancet (2010; 375: 895-905) war die Variabilität der Blutdruckwerte ein deutlicher Prädiktor für einen Schlaganfall und nach einer Meta-Analyse dort (906-915) könnten die Blutdruckschwankungen Unterschiede in der Wirkung einzelner Antihypertonika erklären.

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Die Leitlinien legen ihren Empfehlungen den mittleren systolischen Blutdruck zugrunde. Schwankungen bei den einzelnen Untersuchungsterminen wurden eher als Störung bei der Ermittlung des wahren grundlegenden Blutdrucks empfunden, erklärt Peter Rothwell von der Stroke Prevention Unit des John Radcliffe Hospital in Oxford, der in einer Serie von Publikationen nachzuweisen versucht, dass der Variabilität des Blutdrucks ein besonderer Krankheitswert zukommt.

Zunächst hat die Gruppe die Daten einer älteren randomisierten Studie ausgewertet. Der UK TIA Aspirin Trial hatte untersucht, ob ASS bei Patienten mit transitorischer ischämischer Attacke dem drohenden Schlaganfall vorbeugen kann.

Bei den Studienteilnehmern wurden mehrmals die Blutdruckwerte protokolliert, und Rothwell kann jetzt nachweisen, dass jene Patienten mit den größten Schwankungen im systolischen Blutdruck während der sieben Messungen das sechsfache Risiko für einen Schlaganfall aufwiesen.

Bei Patienten mit den höchsten Blutdruckwerten während der sieben Besuche stieg das Risiko auf das 15-Fache. Rothwell konnte diese Werte in weiteren Kohortenstudien validieren. In einem weiteren Artikel führten Rothwell und andere Kollegen eine Meta-Analyse von 389 randomisierten kontrollierten Studien zu den Effekten von blutdrucksenkenden Medikamenten durch.

Danach haben die einzelnen Substanzklassen eine unterschiedliche Auswirkung auf die Variabilität. Kalziumantagonist und Nicht-Schleifen-Diuretika könnten den Berechnungen Rothwells zufolge die interindividuellen Schwankungen im systolischen Blutdruck reduzieren, während sie unter der Therapie mit ACE-Inhibitoren, Angiotensin-2-Rezeptor-Blocker und vor allem mit Beta-Blocker gesteigert würden. Zwei Drittel (68 Prozent) der Variabilität der Blutdruckwerte sei auf die Therapie mit Antihypertonika zurückzuführen, behaupten die Autoren.

In Lancet Neurology (2010; doi: 10.1016/S1474-4422(10)70066-1) zeigen die Autoren an den Daten zweier Interventionsstudien, dass die Variabilität im Verlauf der Therapie mit dem Betablocker Atenolol zu- und unter der Therapie mit dem Kalziumantagonisten Amlodipin abnimmt. Mehr noch: Das niedrigere Schlaganfallrisiko unter Amlodipin ist nach Berechnungen Rothwells maßgeblich auf die vermehrte Variabilität unter der Therapie mit Atenolol zurückzuführen.

Ob Rothwell die Leitlinien-Autoren davon überzeugen kann, den Blutdruckschwankungen von Hypertonikern mehr Bedeutung zu schenken und die episodische Hypertonie nicht mehr zu ignorieren, dürfte davon abhängen, ob die Ergebnisse prospektiv in künftigen Studien reproduziert werden können.

Bo Carlberg und Lars Hjalmar Lindholm von der Universität Umeå in Schweden befürchten im Editorial, dass die theroretischen Konzepte sich nur schwer in die Praxis umsetzen lassen werden, zumal die meisten Patienten ohnehin mehrere Wirkstoffe benötigen (Lancet 2010; 375: 867-868). © rme/aerzteblatt.de

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