Studie: Zwölf Monate Clopidogrel nach Koronarstent ausreichend
Dienstag, 16. März 2010
dpa
Seoul – Die Frage, wie lange Patienten nach der Implantation eines medikamentenbeschichteten Koronarstents (drug-eluting coronary stents, DES) Medikamente zur dualen Thrombozytenhemmung einnehmen sollten, ist umstritten. Nach einer auf der Jahrestagung des American College of Cardiology in Atlanta vorgestellten Studie könnten zwölf Monate ausreichen. Doch die Ergebnisse sind umstritten.
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Die von den DES freigesetzten Medikamente verhindern, dass der Stent schnell von Bindegewebe überwuchert wird und die Koronararterie restenosiert. Doch die freiliegende Oberfläche des DES kann Auslöser von Thrombosen sein, weshalb nach DES eine verlängerte duale Thrombozytenhemmung mit Clopidogrel und Acetylsalicylsäure (ASS) üblich ist.Umstritten ist allerdings die Dauer der Therapie. Berichte über Spätthrombosen in den DES, die meist einen schweren Herzinfarkt und nicht selten den Tod des Patienten zur Folge haben, haben zu einer Verlängerung der dualen Thrombozytenhemmung geführt: Zwölf Monate ist für viele Kardiologen derzeit eine Richtschnur.
Sie erfährt Unterstützung durch die Ergebnisse aus zwei Studien, die Seung-Jung Park von der Universität Seoul und Mitarbeiter jetzt vorstellen (New England Journal of Medicine 2010; doi: 10.1056/NEJMoa1001266). Es handelt sich um die REAL-LATE-Studie und die ZEST-LATE-Studie, an denen zusammen 2.701 Patienten teilnahmen. Alle hatten nach Implantation eines DES über zwölf Monate eine duale Thrombozytenhemmung erhalten. Sie wurden danach auf eine Fortsetzung der Therapie oder auf eine Monotherapie mit ASS randomisiert. Primärer Endpunkt war ein Composite aus Herzinfarkt oder kardialen Todesfällen.
Hier gab es nach durchschnittlich 19,2 Monaten (seit der Randomisierung) keine signifikanten Unterschiede, auch nicht bei den definitiven Stentthrombosen (die aber sehr selten waren). Die meisten Endpunkte traten unter der alleinigen Fortsetzung der Therapie mit ASS sogar seltener auf, das Signifikanzniveau wurde allerdings niemals erreicht.
Die Studie dürfte die Evidenz steigern, die duale Thrombozytenhemmung nach zwölf Monaten zu beenden. Doch der Editorialist Peter Berger von der Geisinger Clinic in Danville/Pennsylvania bleibt skeptisch (NEJM 2010; doi: 10.1056/NEJMe1002553): Er sieht in der Publikation die Zwischenauswertung aus zwei laufenden Studien, die nicht aussagekräftig („underpowered") sind, weil der primäre Endpunkt zu einem Viertel seltener als erwartet auftrat.
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