Epilepsie: Anfallsprophylaxe durch Tiefenhirnstimulation
Donnerstag, 18. März 2010
Stanford – Die Tiefenhirnstimulation ist ein vielversprechender Therapieansatz bei Patienten mit partieller Epilepsie, die nicht auf eine medikamentöse Therapie ansprechen. In einer US-Studie in Epilepsia (2010; doi: 10.1111/j.1528-1167.2010.02536) senkte ein sogenannter Hirnschrittmacher die Anfallsfrequenz um die Hälfte.
An der „stimulation of the anterior nuclei of thalamus for epilepsy“ oder SANTE-Studie beteiligten sich an mehreren Kliniken 110 Patienten im Alter von 18 bis 65 Jahre. Sie litten an partiellen Epilepsien, und es kam trotz Therapieversuchen mit drei Medikamenten häufiger als sechsmal pro Monat (aber nicht häufiger als zehnmal am Tag) zu epileptischen Anfällen.
Bei allen Patienten wurden in einem stereotaktischen Eingriff beidseitig Elektroden in die anterioren Kerngruppen des Thalamus platziert. Einen Monat nach der Operation wurde bei der Hälfte der Patienten mit der Applikation von regelmäßigen Impulsen begonnen, bei der anderen Hälfte blieb der Hirnschrittmacher zunächst ausgeschaltet.
Das Ergebnis war eine Reduktion der Anfallsfrequenz um 41 Prozent durch die Tiefenhirnstimulation gegenüber einer Reduktion um 15 Prozent in der Kontrollgruppe.
Nach drei Monaten wurden die Hirnschrittmacher auch in der Kontrollgruppe gestartet. Inzwischen blickt die Gruppe um Robert Fisher, Leiter des Epilepsy Center an der Stanford Universität, auf eine zweijährige Erfahrung zurück: Bei 56 Prozent der Teilnehmer sei es zu einer Reduktion der Anfallsfrequenz gekommen, bei 54 Prozent sei sie um mehr als die Hälfte gesunken, und 14 Patienten seien seit nunmehr 6 Monaten anfallsfrei.
Hirnblutungen oder Infektionen als mögliche Komplikationen des neurochirurgischen Eingriffs sind Fisher zufolge nicht aufgetreten. Keiner von fünf Todesfällen stünde im Zusammenhang mit der Implantation oder dem Betrieb des Tiefenhirnstimulators.
Mögliche Nebenwirkungen seien depressive Verstimmungen und Gedächtnisstörungen, über die einige Patienten klagten, wobei es nach Einschätzung von Fisher nicht sicher ist, ob sie nicht doch eine Folge der Grunderkrankung waren.
Fisher schätzt, dass etwa ein Drittel aller Epilepsiepatienten nicht ausreichend auf eine medikamentöse Therapie ansprechen. Dennoch dürfte der invasive Eingriff nur für Patienten mit einer höheren Anfallsfrequenz infrage kommen.
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