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Melanom: Nanopartikel bringt Krebsgen zum Schweigen

Montag, 22. März 2010

Pasadena – US-Forschern ist es erstmals gelungen, die sogenannte RNA-Interferenz (auch RNA-Silencing genannt) klinisch anzuwenden. Die dazu erforderlichen kurzen doppelsträngigen RNA-Moleküle wurden laut Nature (2010; doi: 10.1038/nature08956) mit Hilfe von intravenös-injizierten Nanopartikeln in die Krebszellen verfrachtet. Weitere klinische Ergebnisse der Phase-I-Studie sollen demnächst vorgestellt werden.

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Die Gruppe um Mark Davis vom California Institute of Technology in Pasadena beschreitet gleich auf zwei Gebieten Neuland. Zum einen kann sie zeigen, dass die Technik der RNA-Interferenz auf den Menschen angewendet werden kann. Die RNA-Interferenz ist vermutlich ein zelleigener Abwehrmechanismus gegen Viren. Wann immer in der Zelle doppelsträngige RNA angetroffen wird (die niemals vom Menschen stammt, der seine Erbinformation als DNA kodiert), wird diese durch Dicer (Häcksler) genannte Enzyme in kleine Fragmente (siRNA) zerlegt.

Ein weiteres Enzym bindet einen einzelnen Strang dieser siRNA. Zusammen bilden alle drei den Risc-Komplex (RNAi-induced silencinmg complex). Dieser zerschneidet die Messenger-RNA an dem komplementären Abschnitt. Dadurch wird verhindert, dass die Information in den Ribosomen abgelesen und neue Virenpartikel produziert werden.

Dieses mächtige Werkzeug, für deren Entdeckung Andrew Fire und Craig Mello im Jahr 2006 den Nobelpreis erhielten, kann im Prinzip auch gegen jedes einzelne menschliche Gen angewendet werden. Es müssen nur die entsprechenden doppelsträngigen RNA-Moleküle synthetisiert werden und diese in die Zielzelle transportiert werden, am besten nach einer intravenösen Injektion.

Dieser Transfer ist allerdings eine Herausforderung, die Davis und Mitarbeiter mit Hilfe von Nanopartikeln gemeistert haben. Dies ist die zweite Innovation der Forscher. Die kleinen Partikel bestehen aus zwei Polymeren und einem Protein, das an der Oberfläche der Zellen bindet. Sie öffnen damit den Nanopartikeln den Weg in die Zielzelle, wo sie ihre Fracht, die synthetische doppelsträngige RNA abladen.

Insgesamt 15 Patienten mit malignen Melanomen wurden mit den etwa 70 Nanometer kleinen Partikel in unterschiedlichen Dosierungen behandelt. Bei drei Patienten waren sie später in Biopsien aus dem Tumor nachweisbar.

Mehr noch: Die Nanopartikel waren in der Zelle zerfallen und Davis und Mitarbeiter können zeigen, dass die damit freigesetzte doppelsträngige RNA vermutlich eine RNA-Interferenz ausgelöst hat: Bei wenigstens einem Patienten wurde die Bildung der Zielproteins vermindert. Dieser Patient hatte eine hohe Dosis erhalten und die Autoren gehen deshalb von einer dosisabhängigen Wirkung aus.

Es fehlt allerdings der Nachweis, dass sich die Therapie auf das Tumorwachstum auswirkt. Erste klinische Ergebnisse der Phase-I-Studie sollen demnächst vorgestellt werden. Als erstes müssen die Forscher belegen, dass die Therapie überhaupt sicher anwendbar ist.

Die vorausgegangenen tierexperimentellen Studien sollen positiv verlaufen sein. Ein Blick in Clinicaltrials.gov zeigt, dass derzeit mehrere Forschergruppen ähnliche Ansätze verfolgen. Die RNA-Interferenz muss unterschieden werden von der Antisense-Technologie, bei der kleine RNA-Moleküle die Messenger-RNA direkt blockieren. © rme/aerzteblatt.de

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