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Ärzteschaft

Kommunale Kliniken: Die Zeichen stehen auf Streik

Montag, 22. März 2010

Köln – „Bern und Basel sind nicht weit, gutes Geld für Nachtarbeit“, skandierten die mehr als 1.000 Ärztinnen und Ärzte, die heute Mittag vom Kölner Dom zum nahegelegenen Hilton-Hotel marschierten. Dort sollte wenig später die vierte Verhandlungsrunde zwischen dem Marburger Bund (MB) und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) starten.

Verhandelt wird über einen neuen Tarifvertrag für die 55.000 Ärztinnen und Ärzte in kommunalen Krankenhäusern. Um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen, hatte die Ärztegewerkschaft ihre Mitglieder in den kommunalen Kliniken zu einem eintägigen Warnstreik aufgerufen.

„Seit der ersten Verhandlungsrunde am 18. Januar hat sich die VKA keinen Schritt auf uns zu bewegt“, sagte der MB-Vorsitzende Rudolf Henke bei der zentralen Kundgebung auf dem Roncalliplatz: „Unsere Geduld geht zu Ende.“ Die Arbeitgeber hätten genug Zeit gehabt, dem MB ein ernstgemeintes Angebot vorzulegen, das die arztspezifischen Besonderheiten berücksichtige.

Henke: „Stattdessen wurden wir aufgefordert, die Tarifeinigung im Öffentlichen Dienst zu übernehmen.“  Die Arbeitgeber ignorierten die Versorgungsprobleme, die schon jetzt durch 5.000 unbesetzte Stellen im Ärztlichen Dienst drohten.

In der aktuellen Tarifrunde will die Ärztegewerkschaft vor allem eine bessere Bezahlung der Bereitschaftsdienste in der Nacht, an den Wochenenden und an den Feiertagen durchsetzen: „Wir sind nachts keine Hotelgäste“, unterstrich Henke, „sondern leisten eine wertvolle, aber eben auch sehr belastende Arbeit.“

Es komme einer Verhöhnung der Ärzte gleich, wenn VKA-Verhandlungsführer Joachim Finklenburg in Interviews zu Protokoll gebe, dass Klinikärzte im nächtlichen Bereitschaftsdienst mehr als 50 Prozent der Zeit schlafen könnten: „Es fehlte nur noch, dass wir Ärzte für die Übernachtung im ,Hotel Krankenhaus’ bezahlen müssten“ – lang anhaltender Applaus der streikenden Ärzte.

Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten hätten die Forderungen der Ärztegewerkschaft ihre Berechtigung, betonte der MB-Vorsitzende: „Wenn wir die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern nicht jetzt verbessern und die ärztliche Tätigkeit nicht jetzt leistungsgerecht vergüten, dann gibt es in vier bis fünf Jahren 10.000 freie Stellen im ärztlichen Dienst.“ Jeder fehlende Arzt bringe aber für das Krankenhaus Umsatzeinbußen mit sich und bedeute für die verbliebenen Ärzte Mehrarbeit.

„Die sehr gute Beteiligung der Ärzte an diesem ersten Warnstreik in der aktuellen Verhandlungsrunde ist ein klares Zeichen an die Arbeitgeber, dass der Marburger Bund es auch im Jahr 2010 schafft, seine Mitglieder zu mobilisieren“, sagte Frieder Hessenauer, der Präsident der Ärztekammer Rheinland-Pfalz.

Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe ärgerte sich vor allem darüber, dass die kommunalen Klinikträger einerseits kein Geld für Tarifsteigerungen der festangestellten Ärzte locker machen wollen, aber andererseits Honorarärzte beschäftigen, „die das Doppelte und Dreifache von uns verdienen“.

Windhorst: „Das ist unser Geld, das die denen in den Hals schütten.“ Ähnlich argumentierte Andreas Botzlar, der zweite MB-Vorsitzende: „Die Honorare, die den Honorarärzten gezahlt werden, sind eine Unverschämtheit gegenüber jenen Ärztinnen und Ärzten, die den Krankenhausbetrieb Tag und Nacht am Laufen halten.“

Sollte es in dieser vierten Verhandlungsrunde zwischen MB und VKA nicht zu einer Tarifeinigung kommen (wonach es derzeit aussieht), so stehen die Zeichen auf Streik. „Wenn es jetzt nicht klappt, dann kommt es zur Urabstimmung“, kündigte MB-Verhandlungsführer Lutz Hammerschlag gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt an. Die zuständigen Gremien der Ärztegewerkschaft, die Kleine und die Große Tarifkommission, tagen jedenfalls am kommenden Wochenende. © JF/aerzteblatt.de

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Privatpatient
am Mittwoch, 24. März 2010, 16:45

Nachtdienste

Sehr richtig: Nachtdienste gehören mit einem höheren Stundensatz als Tagarbeit bezahlt, aber nur, wenn es NachtSCHICHTEN sind und keine BEREITSCHAFTSdienste.

Ich möchte weder einen Golf kaufen. den von einem VW-Arbeiter zusammengebaut worden ist, der 24 Stunden pro Tag Autos zusammenschraubt, noch von einem Arzt zusammengeflickt werden, der 24 Stunden pro Tag Menschen repariert.

rostm
am Mittwoch, 24. März 2010, 15:30

Nachtarbeit

Es sind doch die Nachtdienste, die schlauchen. Diese gehören anständig bezahlt. In anderen Ländern wird in Nachtdiensten, je nach Uhrzeit und z.B. Wochendene, und nochmal zusätzlich an hohe Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten, das 1,5-fache, 2-fache, bis zum 3-fachen Satz gezahlt.
sauerbruch
am Dienstag, 23. März 2010, 18:59

@promisit

Sehr geehrter Herr Promisit,
ich weiss nicht , in wie weit Sie die Beiträge in diesem Forum verfolgen.
Es geht diesmal um Bereitschaftsdienste.
Wenn man Sonn- und Feiertags mehr als 10x in Anspruch genommen wird, und netto weniger verdient, als eine Putzfrau ( nichts gegen Reinigungskräfte),
dann hilft nur Arbeitsverweigerung.
Wenn ich einen neuen Golf kaufen möchte, wo bei VW die Arbeiter zu o.g. Zeiten ein mehrfaches von mit verdienen, gibt mir auch keiner Rabatt, weil ich Arzt bin.

Gruß S.
Aesculap
am Dienstag, 23. März 2010, 16:11

Ab ins Ausland

Ich kann nur sagen: ab ins Ausland, ich hab´s nicht bereut. Nicht meckern - handeln!
frusti
am Dienstag, 23. März 2010, 15:23

ja warum

machen denn die klinikverwalter nicht das geld für die leiharbeiter für feste kräfte locker?

weil es oft kliniken sind, wo die personalführung nach dem "handbuch gulag" funktioniert und eh keiner bleiben will.

man/frau schaue sich beispielsweise die uniklinika anästhesie in deutschland an: neben kliniken, die fast komplett besetzt sind, gibt es auch welche, die immer reichlich frelancer an bord haben. warum wohl?

und bei den honorarärztn klapt angebot und nachfrage = freier beruf. 80 Euro/h macht abzüglich der urlaubs- und weiterbildungstage (die eigentlich jede klinik geben sollte) und evtl. leerlaufzeiten ziemlich exakt 100000 p.a. aus. dafür würde man gut und gerne auch einenfesten kriegen - wenn man wöllte. UND: die echten Kosten für einen facharzt liegen all inclusive auch für festangestellte bei 65 euro/ h !! nur das sieht keiner der neunmalklugen, gelle,
remplaçante
am Dienstag, 23. März 2010, 11:52

Kliniken sind keine Sozialeinrcihtungen

..... und Aerzte keine Samariter!

Es geht sicher "nicht nur um Geld", aber leider ist das ein wichtiger Teil der Wertschätzung, die einem der Arbeitgeber entgegenbringt.
promisit
am Dienstag, 23. März 2010, 08:14

Kliniken sind keine Sozialeinrichtungen

Seit Rudolf Virchow wissen wir, dass Medizin und Politik miteinander verknüpft sind in Deutschland. Die Ärzte hatten erst eine kräftige Zulage und beschweren sich nun, dass Honorarärzte das 2-3fache verdienen als fest angestellte Ärzte.
Jeder Arzt hat die Möglichkeit. als Honorararzt sein Geld zu verdienen. Aber geht es bei der Ausübung des "Berufes" Arzt/Ärztin nur noch um Geld ? Das ist sicher der falsche Ansatz und bringt die Studiosus mit der für die Allgemeinheit schädlichen Einstellung zum Medizinstudium ! Nihil nocere.

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