Indische Farben und Gewürze stark bleihaltig
Dienstag, 23. März 2010
Boston – Vier Bleivergiftungen bei Kleinkindern haben Mediziner der Harvard Universität auf eine bisher übersehene Exposition mit dem Schwermetall aufmerksam gemacht. Untersuchungen in Pediatrics (2010; doi: 10.1542/peds.2009-1396) zeigen, dass kulturelle Farbstoffe und Gewürze stark belastet sind.
Als Sindoor wird das zinnoberote Pulver bezeichnet, mit dem gläubige Hindi die Stirn oder andere Gesichtspartien markieren (Tilaka). Seine strahlend leuchtende Farbe verdankt Sindoor offenbar häufig einem hohen Bleigehalt.
In 46 von 71 getesteten Produkten konnten Cristiane Gurgel Lin und Mitarbeiter das Metall nachweisen – und dies keineswegs nur in Spuren: Drei Produkte bestanden zu mehr als 47 Prozent aus Blei. Das Metall wird über die Haut resorbiert. Es war für zwei der vier genannten Vergiftungen verantwortlich. Bei beiden Säuglingen war das Pulver regelmäßig auf das Gesicht aufgetragen worden.
Aber auch 22 von 86 getesteten Gewürzen und Nahrungsmitteln enthielten mehr als 1 µg/g Blei. Sie erklärten die beiden anderen Vergiftungen bei einem drei Jahre alten Mädchen und einem ein Jahr alten Jungen, die exponierte Speisen verzehrt hatten. Da sowohl die Farben als auch die Gewürze im Internet gehandelt werden, dürfte das Phänomen nicht auf Neuengland beschränkt sein.
© rme/aerzteblatt.de
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