Berlin – Wegen anstehender Zusatzbeiträge wechseln offenbar Hunderttausende die Krankenkasse. Nach Informationen des „Tagesspiegel“ gingen seit Jahresanfang mehr als 250.000 Menschen zu einer Kasse, die keine Zusatzbeiträge erhebt, oder beantragten zumindest den Wechsel. Das habe eine Umfrage der Zeitung unter Krankenkassen ergeben.
Spitzenreiter bei der Gunst der Wechselwilligen ist demnach die Techniker Krankenkasse mit 130.000 neuen Mitgliedsanträgen. Die Barmer GEK habe seit Jahresanfang rund 100. 000 neue Mitglieder gewonnen. Die IKK Brandenburg und Berlin zähle 4.500 neue Kunden und damit rund 74 Prozent mehr als im Vorjahr.
Auch die AOK Berlin-Brandenburg sei auf Wachstumskurs. Seit Anfang des Jahres habe die Kasse 16.000 neue Mitglieder bekommen. Sowohl die IKK als auch die AOK garantieren ihren Mitgliedern, dass sie auch im Jahresverlauf keine Zusatzbeiträge erheben werden.
Zugleich klagen die Krankenkassen über Außenstände in dreistelliger Millionenhöhe. Wie die Zeitung unter Berufung auf den GKV-Spitzenverband berichtete, hatten die Kassen im Sommer 2009 bereits Einnahmeausfälle von 630 Millionen Euro, weil Kunden ihre Beiträge nicht zahlten.
„Jeder soll krankenversichert sein, aber wenn die Mitglieder nicht zahlen, haben die Kassen kaum Möglichkeiten, an das Geld zu kommen“, sagte Verbandssprecherin Ann Marini dem Blatt. Zwar können die Kassen versuchen, das Geld zu pfänden, kündigen dürfen sie säumigen Mitgliedern aber nicht.
Der Spitzenverband forderte den Bund daher auf, die Rückstände auszugleichen. Das Bundesgesundheitsministerium lehnte eine Kostenübernahme jedoch ab und verwies auf die 15,7 Milliarden Euro, die der Bund den Kassen in diesem Jahr als Zuschuss überweist.
| Versenden | Teilen |
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.