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| dpa |
Das US-National Cancer Institute hatte 1991 die Devise „5 a Day“ herausgegeben, die seither (nach dem Rauchen) als eine der wichtigsten krebsvermeidenden Maßnahmen betrachtet wurde. Obst oder Gemüse sollten Bestandteil von fünf täglichen Mahlzeiten sein, lautet das Credo.
Es basierte zu Beginn auf einer Schätzung der renommierten Oxford-Epidemiologen Richard Doll und Richard Peto, derzufolge 35 Prozent aller Krebstodesfälle auf die Ernährung zurückzuführen seien (JNCI 1981; 66: 1191-308). Übersehen wurde, dass die Angaben der Epidemiologen zu der protektiven Wirkung mit einer Bandbreite von 10 bis 70 Prozent doch sehr vage ausfielen und dass sie im Wesentlichen auf den Ergebnissen von Fall-Kontroll-Studien beruhten, die sehr anfällig für Verzerrungen sind.
Die seit den 90er Jahren durchgeführten prospektiven Studien konnten die optimistischen Annahmen nicht bestätigen. Selbst für den Darmkrebs konnte eine frühere Meta-Analyse keine signifikante protektive Wirkung finden (JNCI 2007; 99: 1471-1483).
Vor diesem Hintergrund ist die Auswertung der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition oder EPIC-Studie fast schon wieder ein Beleg der von Doll und Peto vermuteten protektiven Wirkung, wenn auch ihr Ausmaß doch weit hinter den allgemein verbreiteten Erwartungen zurück bleibt.
Paolo Boffetta von der Mount Sinai School of Medicine in New York und Mitarbeiter kommen auf der Basis von fast einer halben Millionen Menschen und einer Nachbeobachtungszeit von 8,7 Jahren, in denen es zu etwas mehr als 30.000 Krebserkrankungen kam, zu dem Ergebnis: Pro 200 Gramm Obst oder Gemüse pro Tag sinkt das Krebsrisiko um gerade einmal 3 Prozent (Hazard Ratio 0,97).
Infolge der großen Teilnehmerzahl der Studie war diese Assoziation mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,96 bis 0,99 zwar signifikant. Aber eine praktische Relevanz lässt sich daraus kaum ableiten.
Bleibt die Frage, ob die krebspräventive Wirkung für bestimmte Bevölkerungsgruppen nicht doch größer ist. Die Analyse fand dafür nur wenige Hinweise. Allenfalls bei Menschen mit einem starken Alkoholkonsum könnte eine stärkere krebsprotektive Wirkung bestehen, berichten die Autoren.
Walter Willett von der Harvard School of Public Health in Boston spekuliert im Editorial darüber, dass der Folatgehalt die Folge des Alkoholkonsums abschwächen könnte (JNCI 2010; doi: 10.1093/jnci/djq098). Auch die Idee, dass Tomaten durch ihren hohen Gehalt an Lycopenen vor Prostatakrebs schützen könnten, ist (noch?) nicht ganz vom Tisch.
Ebenso gebe es Hinweise, dass Obst und Gemüse einem Nierenzellkarzinom vorbeugen könne, schreibt Willet. Diese Erkenntnisse beruhen aber alle auf geringen Fallzahlen. Dieser Einwand trifft auch auf eine Aussage des World Cancer Reports von 2007 zu, wonach Obst und Gemüse mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Kopf-Hals-Tumoren vorbeugen.
Außerdem muss wohl erwähnt werden, dass die Beweiskraft von Beobachtungsstudien hinter denen von randomisierten Studien zurückbleibt, die allerdings zu Ernährungsgewohnheiten kaum durchführbar sind.
Die „5 a Day“-Empfehlung dürfte dennoch überleben. Denn selbst wenn der reichliche Verzehr von Obst und Gemüse nicht (oder nur ein klein wenig) vor Krebserkrankungen schützen sollte, so ist eine präventive Wirkung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen weniger umstritten.
Nach einer maßgeblichen Beobachtungsstudie zu dieser Frage, einer Auswertung von Nurses' Health und Health Professionals' Follow-up Study, sind fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag (statt 1,5 Portionen) mit einer um 30 Prozent niedrigeren Risiko von koronarer Herzkrankheit und Schlaganfall assoziiert (JNCI 2004; 96: 1577-1584).
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