Maribor – Die Nahtod-Erfahrungen, über die Überlebende eines temporären Herzstillstands manchmal berichten, könnten eine banale Erklärung haben. Slowenische Forscher führen sie in Critical Care (Online) auf den Anstieg des Kohlendioxids im Blut zurück.
Zwischen 11 und 23 Prozent aller erfolgreich reanimierten Patienten berichten nach einem Herzstillstand über Nahtod-Erfahrungen. Die Phänomene reichen von (oft positiv erlebten) Emotionen, über einen Tunnelblick bis hin zu einen zeitgerafften Rückblick auf das eigene Leben.
Auch mystische oder religiöse Erlebnisse treten auf, von außerkörperlichen Erfahrungen bis hin zum Kontakt mit verstorbenen Personen. Dies alles verlockt zu spirituellen Interpretationen, doch für Zalika Klemenc-Ketis von der Universität Maribor (dem früheren Marburg an der Drau) gibt es eine einfache, nüchterne Erklärung: Die steigenden CO2-Konzentration im Blut der Patienten.
Die Forscher befragten 52 Patienten, die nach einem Herzstillstand erfolgreich reanimiert werden konnten. Insgesamt 11 berichteten über Nahtod-Erfahrungen, die mit mit einem Score quantifiziert wurden. Die Werte wurden dann mit den Laborparametern der Patienten in Beziehung gesetzt.
Wie Klemenc-Ketis berichtet, korrelierten die Nahtod-Erfahrungen in erster Linie mit dem Ausmaß der Hyperkapnie, etwas schwächer auch mit einer Hyperkaliämie. Die Korrelation mit einer sinkenden O2-Konzentration war dagegen nicht signifikant.
Die Ergebnisse lassen sich pathophysiologisch erklären. Es sei bekannt, dass Kohlendioxid das Säure-Basen-Gleichgewicht im Gehirn in einer Weise verändere, die ungewöhnliche Erfahrungen wie helles Licht, Visionen, außerkörperliche Erfahrungen oder selbst mystische Erlebnisse induziere, schreibt die Autorin.
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Die Studie spricht den Nahtod-Erfahrungen jeglichen Realitätsgehalt ab – von welchem spirituell veranlagte Forscher indes überzeugt sind. Sam Parnia von der Universität Southhampton will deren Existenz beweisen.
In den Krankenzimmern wurden Bilder so platziert, dass sie vom Krankenbett aus nicht gesehen werden können. Bei der Reise durch den Raum, von der die Patienten berichten, müssten sie aber auffallen. Ergebnisse der Studie liegen noch nicht vor.
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