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PID: Chlamydien-Screening mit großen Lücken

Freitag, 9. April 2010

London – Das jährliche Chlamydien-Screening, zu dem junge sexuell aktiven Frauen geraten wird, ist offenbar weniger effektiv als bisher angenommen. Dies zeigt eine randomisierte klinische Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2010; 340: c1642). Die Autoren raten jungen Frauen, sich nach jedem Partnerwechsel testen zu lassen.

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Jährliche Tests auf vaginale Infektionen mit Chlamydia trachomatis, in Deutschland seit 2008 eine Kassenleistung, wurden in England zwischen 2003 und 2008 eingeführt. Dies bot letztmalig die Gelegenheit für eine ethisch unbedenkliche randomisierte klinische Studie.

Pippa Oakeshott von der St George's University in London und Mitarbeiter entnahmen 2.529 sexuell aktiven jungen Frauen im Alter von 17 bis 27 Jahren Vaginalabstriche. Aber nur bei der Hälfte der Frauen wurde der Test sofort durchgeführt. Die anderen erfuhren das Ergebnis erst ein Jahr später.

Zunächst fällt auf, dass die Infektionen in dem Kollektiv, das sich aus Studentinnen und Berufsschülerinnen der britischen Metropole zusammensetzte, seltener waren, als erwartet. Die Prävalenz betrug 5,4 Prozent bei den unmittelbar Getesteten und 5,9 Prozent in der Kontrollgruppe. In früheren Publikationen wurde die Prävalenz auf 10 Prozent oder mehr geschätzt.

Auch die Zahl der Neuerkrankungen an einer “pelvic inflammatory disease” (PID), der gefürchteten Folgeerkrankung der Chlamydieninfektion bei der Frau, war gering: Die Inzidenz im Beobachtungsjahr betrug 1,3 Prozent im Screening-Arm und 1,9 Prozent in der Kontrollgruppe. Damit wurde das Risiko einer PID durch das Screening nur unwesentlich und und nicht-signifikant gesenkt (relatives Risiko 0,65; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,34 bis 1,22).

Dies lag sicher nicht daran, dass die Behandlung nicht effektiv wäre. Nur eine von 63 Frauen (1,6 Prozent) mit einem positiven Testergebnis entwickelte später eine PID, während es in der Kontrollgruppe sieben von 74 Frauen waren (9,5 Prozent). Die Therapie senkte das Erkrankungsrisiko mithin um vier Fünftel (relatives Risiko 0,17; 0,03-1,01).

Die meisten Episoden einer PID, nämlich 79 Prozent, traten allerdings bei Frauen mit einem negativen Testergebnis auf. Oakeshott vermutet, dass sie sich nach dem Test infizierten. Dies könnte mit dem häufigen Partnerwechsel zusammenhängen – jede dritte Frau hatte zwei oder mehr Sexualpartner im Beobachtungsjahr – oder auch daran, dass nur jede zweite Frau auf der Benutzung von Kondomen bei ihrem Partner bestand. In London geht diese Nachlässigkeit mit einem durchaus relevanten Risiko von sexuell übertragbaren Erkrankungen einher, die von einer von zwanzig Frauen berichtet wurde.

Vor diesem Hintergrund ist ein jährliches Screening kaum kosteneffektiv, urteilt Oakeshott. Sie errechnet eine Number Needed to Screen von 147 Frauen und eine Number Needed to Treat von 13 Frauen. Das ist mehr (und ungünstiger) als bisher angenommen wurde. Sinnvoller als ein jährliches Screening erscheint es der Autorin, wenn Frauen sich nach jedem Partnerwechsel, genauer nach jedem ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem neuen Partner testen ließen. © rme/aerzteblatt.de

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