Chirurgen-Präsident kritisiert Gewinnstreben von Ärzten und Kliniken
Montag, 19. April 2010
München – Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Reiner Gradinger, hat Ärzten und Klinikverwaltungen schwere Vorwürfe gemacht. „Wir leiden unter einer zunehmenden Kommerzialisierung der Medizin: Das heißt, es werden unnötige Eingriffe vorgenommen, weil sie Kliniken oder auch Praxen Geld bringen“, sagte Gradinger dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Gleichzeitig würden notwendige Therapien nicht gemacht, weil sie zu teuer seien.
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Der Ärztliche Direktor des Klinikums rechts der Isar in München macht die zunehmende Ausrichtung der Medizin am Gewinn statt am Nutzen für den Patienten zu einem der wichtigsten Themen beim Chirurgenkongress, der ab Dienstag in Berlin stattfindet. „Das Krankenhaus und die Praxis verkommen zum Marktplatz, wenn wir das so weiter laufenlassen“, sagte Gradinger dem Magazin.
An Rückenschmerzpatienten würden beispielsweise gewinnbringende, aber wissenschaftlich unbewiesene Therapien gemacht, wie etwa der Racz-Katheter, der mit wenig Aufwand viel Geld bringt. Gleichzeitig werde etwa bei Hüftprothesen für ältere Patienten gespart.
Der ständige Druck beeinflusse die Entscheidungen der Ärzte ganz unbewusst. Wenn ein Patient in die Klinik komme, der viel Kosten verursacht, komme in einem oder anderem Haus der Hinweis, „diesen Patienten doch in eine andere Klinik zu verlegen“. Vor allem Chefärzte bekämen Druck von der kaufmännischen Leitung. „Wird das Soll nicht erfüllt, muss er gehen."
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