Los Angeles – Das FTO-Gen, das jeder zweite Europäer im Erbgut hat, begünstigt nicht nur die Adipositas. In einer Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2010; doi: 10.1073/pnas.0910878107) war es mit einer verminderten Hirnmasse in den Frontal- und Okzipitallappen assoziiert.
Vor drei Jahren brachten mehrere genomweite Assoziationsstudien das FTO-Gen, genauer gesagt eine Variante desselben, mit der Adipositas in Verbindung. Rund 46 Prozent der Mitteleuropäer sind Genträger. Das Gen war mit einem um 1,2 kg gesteigerten Körpergewicht und einer um 1 cm weiteren Taille verbunden. Für die derzeitige Adipositas-Epidemie ist es also von untergeordneter Bedeutung.
Das FTO-Gen, auch „fatso“ genannt, trägt seinen Namen aus einem anderen Grund. Entdeckt wurde es bei Mäusen, wo seine Deletion zu einer Syndaktylie der Zehen (fto für “fused toes”) führt. Dies lässt schon vermuten, dass die Adipositas nicht die einzige Folge einer Funktionsstörung sein kann. Dafür spricht auch die Beobachtung, dass das Gen nicht nur in den Inselzellen des Pankreas exprimiert wird, sondern auch im Gehirn.
Dies veranlasste Paul Thompson von der Universität von Kalifornien in Los Angeles nun, den Gentest bei den Teilnehmern der Alzheimer's Disease Neuroimaging Initiative durchzuführen. Diese auf 5 Jahre angelegte Studie sucht nach Risikofaktoren für die Altersdemenz – zu denen auch das FTO-Gen gehören könnte.
Denn Thompson kann zeigen, dass die Genträger ein um 8 Prozent vermindertes Hirnvolumen in den beiden Frontallappen haben. Die Okzipitallappen hatten sogar ein um 12 Prozent vermindertes Volumen. Ähnliche Defizite wurden auch bei adipösen Teilnehmern gefunden.
Es könnte also sein, dass das FTO-Gen nicht selbst für die Hirnveränderungen verantwortlich ist, sondern die Adipositas, die ja ein Bestandteil des metabolischen Syndroms ist, das wiederum die Atherosklerose (auch in den Zerebralarterien) und damit Durchblutungsstörungen und vielleicht auch (klinisch stumme) Mikroinfarkte begünstigt.
Thompson konnte die Auswirkung auf die Hirnmasse in der Studie allerdings nicht auf die bekannten kardiovaskulären Risikofaktoren Typ-2-Diabetes mellitus, Hypertonie und Hypercholesterinämie zurückführen. Es bleibt also die Möglichkeit, dass FTO selbst ein “gefährliches Gen” ist, wie Thompson in der Pressemitteilung schreibt.
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