Methadon: Sehstörungen durch intrauterine Exposition
Donnerstag, 22. April 2010
Glasgow – Eine intrauterine Exposition mit Opiaten kann möglicherweise schwere Augenschäden verursachen, warnen Mediziner im British Journal of Ophthalmology (2010; doi: 10.1136/bjo.2009.169284).
Ruth Hamilton vom Royal Hospital for Sick Children in Glasgow berichtet über 20 Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft an einem Programm zur Methadon-Substitution teilgenommen hatten. Es handelt sich um Säuglinge und Kleinkinder, die wegen des Verdachts auf Sehstörungen zur augenärztlichen Untersuchung überwiesen wurden.
Es ist deshalb nicht bekannt, wie häufig die Störungen sind. Unklar ist letztlich auch, ob Methadon die Ursache ist, denn 55 Prozent der Schwangeren hatten gleichzeitig Benzodiazepine und 40 Prozent hatten Heroin konsumiert.
Bei fast allen Kindern stellten die Augenärzte Störungen fest, darunter eine verminderte Sehschärfe (95 Prozent), einen Nystagmus (70 Prozent), eine verzögerte visuelle Reifung (50 Prozent), einen Strabismus (30 Prozent), Refraktionsfehler (30 Prozent) oder zerebrale Sehstörungen (25 Prozent).
60 Prozent der Kinder hatten auffällige elektrophysiologische Befunde, ein Viertel zeigte Entwicklungsstörungen. Die meisten Kinder mit Nystagmus (79 Prozent) waren nach der Geburt wegen eines neonatalen Entzugssyndroms behandelt worden.
Über den möglichen Pathomechanismus gibt es nur vage Vorstellungen. Bekannt ist, dass das visuelle System vor der Geburt sehr sensibel auf Störungen reagiert. Bedenklich stimmt eine von der Autorin genannte Untersuchung, wonach zwischen 11 und 16 Prozent aller werdenden Mütter während der Schwangerschaft wenigsten einmal illegale Drogen konsumiert haben sollen.
© rme/aerzteblatt.de
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