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Herztransplantation: Genprofil ersetzt Biopsie

Freitag, 23. April 2010

Stanford – Zum Monitoring nach einer Herztransplantation gehören derzeit regelmäßige Endomyokardbiopsien. Ihre Zahl konnte in einer Studie im New England Journal of Medicine (2010; doi: 10.1056/NEJMoa0912965) erfolgreich durch Bluttests ersetzt werden, die das Genprofil der Abwehrzellen untersuchen, die für die Abstoßungsreaktionen verantwortlich sind.

Bei etwa 30 Prozent aller Patienten kommt es im ersten Jahr nach einer Herztransplantation zu einer Abstoßungskrise, die, wenn sie nicht frühzeitig erkannt wird, zum Transplantatversagen führen kann.

Dass die meisten Krisen überlebt werden – die Einjahresüberlebensrate beträgt fast 90 Prozent – wird auf das engmaschige Monitoring der Patienten zurückgeführt, dessen wesentlicher Bestandteil regelmäßige endomyokardiale Biopsien sind. Die Probenentnahme erfolgt über einen zentralvenösen Katheter. Sie ist nicht nur schmerzhaft, sondern auch mit einem gewissen Risiko, etwa einer Beschädigung der Herzklappen verbunden.

Wissenschaftler der Stanford Universität haben deshalb als Alternative einen Bluttest entwickelt, der die Abstoßungsreaktion anhand der Aktivierung von 11 Genen in den Immunzellen erkennt, welche den Herzmuskel als Fremdkörper angreifen.

Der Test ist in den USA seit 2008 zugelassen. Er wurde in der Invasive Monitoring Attenuation through Gene Expression (IMAGE) Studie erstmals an einer größeren Zahl von Herztransplantierten mit der früheren Strategie regelmäßiger Biopsien verglichen. In der Studie wurden an 13 US-Transplantationszentren 602 Patienten auf die konventionelle Strategie regelmäßiger Biopsien oder auf das regelmäßige Genprofiling der Abwehrzellen randomisiert.

Bei den Patienten lag die Transplantation mindestens 6 Monate zurück. Sie hatten damit die gefährlichste Zeit mit den meisten Abstoßungskrisen überstanden, und die Kardiologen meldeten nur 20 Prozent aller verfügbaren Patienten für die Studie an.

Der Editorialist John Jarcho, stellvertretender Chefredakteur des New England Journal of Medicine, vermutet, dass es sich um die Patienten mit dem geringsten Risiko handelt, was die Aussagekraft der Studie natürlich einschränkt, da es sich um eine selektive Gruppe mit günstigen Aussichten gehandelt haben könnte.

Vor diesem Hintergrund erwies sich der Test jedoch als sicher. Wie Michael Pham von der Stanford Universität auf der Jahrestagung der International Society for Heart and Lung Transplantation in Chicago berichtete, konnte die Zahl der Biopsien von 3,0 auf 0,5 pro Jahr gesenkt werden (im Fall einer hohen Genaktivität wurden weiterhin biopsiert), ohne dass die Häufigkeit von schweren kardialen Ereignissen signifikant anstieg.

Der Endpunkt, der das Spektrum von schweren Funktionsstörungen bis hin zum Transplantatversagen, Tod oder Retransplantation umfasste, trat bei 14,5 Prozent der Patienten im Genprofiling-Arm und bei 15,3 Prozent der Patienten mit Standardbiopsien auf. Auch in der 2-Jahrestodesrate gab es keine signifikanten Unterschiede (6,3 vs. 5,5 Prozent).

Die Studie zeigte aber auch, dass die zahlreichen Begleituntersuchungen, beispielsweise das regelmäßige Herzecho heute einen wichtigen Beitrag zur Diagnose von Abstoßungskrise leistet. Allein auf der Basis des Genprofils wurden nur 6 der insgesamt 34 Abstoßungskrise im Genprofil-Arm der Studie entdeckt.

Bei den anderen kam es zumeist frühzeitig zu einem Befunden im Herzecho oder anderen Untersuchungen. Nach den Recherchen des Editorialisten sind einige US-Zentren auch ohne Genprofiling dazu übergegangen, die regelmäßigen Biopsien nach dem ersten Jahr post transplantationem einzustellen.

Sie sparen dadurch nicht nur die 3000 US-Dollar für den Genprofil-Test, sondern auch 4.000 US-Dollar, die jede Endomyokardbiopsie kostet. Die Studie wurde von dem Hersteller gesponsert, die den Test in Lizenz der Stanford Universität produziert. © rme/aerzteblatt.de

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