Ärztemangel: Lauterbach sieht Rösler auf dem falschen Weg
Freitag, 30. April 2010
Frankfurt/Main – Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wirft Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) vor, bei der Bekämpfung des Ärztemangels falsche Prioritäten zu setzen. Deutlich größere Probleme als auf dem Land bestünden in den ärmeren Stadtbezirken der Großstädte, sagte er der Frankfurter Rundschau (Ausgabe von heute).
„Mittlerweile gibt es Bezirke mit 100.000 Einwohnern, in denen es nicht einen einzigen Augenarzt mehr gibt“, sagte Lauterbach. Und auch bei Kinderärzten gebe es in vielen Vororten der großen Städte eine dramatische Situation. „Das Problem schreitet rasant voran und führt zu einer prekären Unterversorgung für Einkommensschwache“, sagte der SPD-Politiker.
Ursache für die Entwicklung ist nach Lauterbachs Darstellung die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigungen, die Planungsbezirke massiv auszudehnen, von einzelnen Stadtbezirken auf das ganze Stadtgebiet. Ein Hautarzt oder ein anderer Facharzt könne daher ohne Probleme mit seiner Praxis in Berlin vom armen Neukölln ins reiche Charlottenburg ziehen oder in Frankfurt/Main von Bonames nach Bornheim. „Dort gibt es dann keine Einkommensschwachen und Migranten, sondern wohlhabende Privatversicherte“, erläuterte Lauterbach. Er forderte gesetzliche Änderungen, um die Planungsbezirke wieder zu verkleinern. © ddp/aerzteblatt.de
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