Heidelberg – Hormonelle Kontrazeptiva könnten ihre schwangerschaftsverhütende Wirkung manchmal auf eine von den Anwenderinnen sicherlich nicht beabsichtigte Weise erzielen. Nach einer Studie im Journal of Sexual Medicine (2010; doi: 10.1111/j.1743-6109.2010.01742.x) geht diese Form der Verhütung häufig mit einer Female Sexual Dysfunction (FSD) einher.
Anzeige
Die Gruppe um Lisa-Maria Wallwiener von der Universität Heidelberg hat 1.086 Medizinstudentinnen nach ihrem Sexualleben befragt. Fast alle gaben an, in den vorangegangenen 6 Monaten Sexualkontakte gehabt zu haben, doch für etwa ein Drittel waren diese nicht wirklich befriedigend gewesen. Aus den Angaben der Studentinnen schlossen die Autoren bei 32,4 Prozent der Studentinnen auf eine FSD.
Dieser Oberbegriff umfasst hypoaktive sexuelle Erregungsstörungen (5,8 Prozent der Befragten), andere Erregungsstörungen (2,4 Prozent), Orgasmusstörungen (8,7 Prozent), mangelnde Befriedigung (2,6 Prozent) und Dyspareunie (1,1 Prozent). Dieses Ergebnis ist nicht ungewöhnlich. In epidemiologischen Studien geben etwa 40 Prozent aller Frauen signifikante Probleme in ihrem Sexualleben an (J Sex Med. 2006; 3: 589-95).
Ungewöhnlich war indes die Assoziation mit der gewählten Kontrazeption. Am seltensten war eine FSD bei Studentinnen, die eine nichthormonelle Kontrazeption betrieben oder gar nicht verhüteten. Das höchste Risiko auf eine FSD hatten dagegen Frauen, welche Hormone anwendeten, wobei nichtorale Präparate (Spirale, Depot) am ungünstigsten zu sein scheinen – wenn denn der Assoziation eine Kausalität zugrunde liegt. Dies lässt sich aus einer Querschnittsstudie indes schwerlich ableiten.
Vorstellbar ist auch eine reverse Kausalität: Frauen mit FSD könnten versuchen durch eine Hormonbehandlung ihre Libido zu steigern. Östrogene werden zur Behandlung der Dyspareunie eingesetzt. Auch Androgene werden gelegentlich empfohlen, allerdings ist die Evidenz gering (in der APHRODITE-Studie kam es bei postmenopausalen Frauen nur zu einer bescheidenen Wirkung, NEJM 2008; 359: 2005-2017).
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.