London – Die Verteilung von Vitamin A an Frauen im gebärfähigen Alter ist kein wirksames Mittel gegen die hohe Müttersterblichkeit in Entwicklungsländern. Zu diesem Ergebnis kam jetzt eine Studie im Lancet (2010; doi: 10.1016/S0140-6736(10)60311-X).
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Vor allem in Gegenden mit einer prekären Nahrungsmittelversorgung ist ein Vitamin A-Mangel verbreitet. Er ist eine der häufigsten Ursachen für Erblindungen im frühen Kindesalter, und mehrere Studien haben in den 1990er-Jahren belegt, dass die zweimalige Gabe von Vitamin A bei Säuglingen nicht nur einer Erblindung (infolge einer Xerophthalmie) vorbeugt, sondern auch die Kindersterblichkeit senkt.
Dann kam Ende des Jahrzehnts eine in Nepal durchgeführte Studie zu dem Ergebnis, dass Vitamin A auch die Müttersterblichkeit um fast die Hälfte reduziert. (NNIPS-2 Studie, BMJ 1999; 318: 570-75). Diese Ergebnisse überzeugten jedoch nicht alle Experten, da der Rückgang vor allem auf Todesfälle durch Verbrennungen, Ertrinken, Schlangenbisse und Erhängen zurückzuführen war, für die ein Zusammenhang mit einer Hypovitaminose A kaum herzustellen ist. Deshalb wurden weitere Studien initiiert.
Zu diesen gehört der ObaapaVitA-Trial, der in Ghana durchgeführt wurde. Mehr als 100.000 Frauen im Alter von 15 bis 45 Jahren wurden auf eine präventive Einnahme von wöchentlich einer Kapsel mit 25.000 IE Retinol oder Placebo randomisiert.
Endpunkt waren Todesfälle im Zusammenhang mit der Schwangerschaft sowie die Gesamtsterblichkeit der Frauen. Anders als bei Kindern und im Gegensatz zu der früheren Studie erwies sich die Vitamin A-Substitution als wirkungslos: Nach insgesamt fast 80.000 Schwangerschaften lag die Müttersterblichkeit im Vitamin A-Arm nur unwesentlich niedriger als im Placebo-Arm (Rate Ratio 0,92; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,73-1,17). Auch ein Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit war nicht erkennbar.
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