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Psychiatrie haftet falsches Bild an

Donnerstag, 6. Mai 2010

Berlin – Auf dem Hauptstadtkongress „Medizin und Gesundheit“ hat der Arzt und Theologe Manfred Lütz heute für eine bessere Integration psychisch Kranker. Wichtig sei umfassende Aufklärung über psychische Erkrankungen. Dies gelte sowohl für Angehörige als auch für die Gesellschaft allgemein.

Nach wie vor herrschten bei einem Großteil der Bevölkerung irrige Vorstellungen von Psychiatrien und Psychotherapien vor, kritisierte Lütz. Der durchschnittliche Aufenthalt eines Patienten in einer psychiatrischen Einrichtung übersteige kaum drei Wochen. Auch seien viele gravierende psychische Krankheiten, wie etwa Schizophrenie, vollkommen heilbar.

Zugleich warnte Lütz davor, voreilig psychische Erkrankungen zu diagnostizieren. Nicht jede Lebenskrise sei eine krankhafte psychische Störung. Psychisch Erkrankte seien eine wichtige Ressource für die Gesellschaft, da sie die „glatt lackierte, kalte Normalität“ unterliefen und häufig sensibler seien als der Durchschnitt.

Lütz forderte mehr Respekt vor alten und kranken Menschen. Es gehe um einen würdevollen Umgang mit diesen Menschen, auch wenn sie – wie etwa stark demente Patienten – kaum noch ihre Umgebung wahrnähmen. Eine Gesellschaft, die sich nicht respektvoll um die Schwachen kümmere, sei unmenschlich. © kna/aerzteblatt.de

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