Ärzteschaft

Tag der Niedergelassenen: „Ich soll Medikamente aufschreiben“

Freitag, 7. Mai 2010

Berlin – „Die Nachfrage nach medizinischen Leistungen steigt stetig. Der Zugang wird jedoch nicht gesteuert, die finanziellen Mittel steigen nicht. Diesen Grundkonflikt haben wir seit Jahren, und kein Gesetz hat ihn bislang gelöst.“

Auf dieses Dilemma hat heute in Berlin Andreas Köhler hingewiesen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Er diskutierte auf dem 2. „Tag der Niedergelassenen“ der KBV mit Cornelia Goesmann, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, Daniel Rühmkorf, Staatssekretär im brandenburgischen Gesundheitsministerium, und der niedergelassenen Berliner Nervenärztin Annette Mainz-Perchalla. 

„Man merkt als Niedergelassene nicht nur den Mangel, sondern auch die Überversorgung“, sagte Mainz-Perchalla. Während ihre Patienten in Pflegeheimen oft seit Jahren von keinem Nervenarzt mehr betreut worden seien, kämen andere mit zig MRT-Aufnahmen in ihre Praxis.

Die Nervenärztin verwies zudem darauf, dass etliche Patienten sehr gut allein von ihren Hausärzten  betreut werden könnten, zumal man sich ja bei Bedarf kollegial absprechen könne. Doch diese würden aus Angst vor Regressen zu ihr überweisen: „Es ist oft keine inhaltliche Fragestellung an mich damit verbunden, sondern ich soll Medikamente aufschreiben.“ 

Köhler warnte angesichts der Alltagsbeschreibungen der Berliner Nervenärztin deshalb auch vor falschen Lösungen gegen den Ärztemangel in Teilen des Landes. So gebe es die Anregung, in strukturschwachen Regionen Kollegen zur Niederlassung zu bewegen, in dem man Mengensteuerungen fallen lassen. „Dann bekommen Sie eine Landverschickung“, sagte  der KBV-Vorstandsvorsitzende. „Dann werden Patienten in die Uckermark geschickt, um sich aus dem Regress zu befreien.“

Mainz-Perchalla forderte im Rahmen der Debatte viel flexiblere Lösungen für Kollegen und Kolleginnen, die Familie und Beruf unter einen Hut bringen wollten. Sie verwies auf das Problem, dass sich das Regelleistungsvolumen nach der geleisteten Arbeit im Vorjahr berechne. Dies sei nachteilig für Kolleginnen, die zwischendurch wegen der Kindererziehung kürzer träten. „Man sollte seine Praxis hoch- und herunterfahren können, ohne dass man dafür bestraft wird“, sagte die Berlinerin. © Rie/aerzteblatt.de

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