Weichteilsarkom: Hitze unterstützt Chemotherapie
Freitag, 7. Mai 2010
München – Eine lokale Erwärmung des Gewebes kann Krebszellen abtöten. Dies macht sich die regionale Hyperthermie zunutze, die in einer randomisierten Phase-III-Studie in Lancet Oncology (2010 doi: 10.1016/S1470-2045(10)70071-1) erfolgreich bei Weichteilsarkomen angewendet wurde.
Weichteilsarkome sind selten. Auch in den USA erkranken jedes Jahr nur etwa 10.000 Menschen, von denen die Hälfte an ihrem Krebsleiden stirbt. Viele Tumore erreichen eine beachtliche Größe, was die chirurgische Therapie erschwert.
Durch Chemo- oder auch Strahlentherapie wird deshalb versucht, den Tumor vor der Operation zu verkleinern. Unterstützt werden kann dies durch eine regionale Hyperthermie. Mit modernen Geräten ist es heute möglich, auch tief liegende Tumoren gezielt zu erwärmen und in Pilotstudien hat dies Tumore deutlich schrumpfen lassen.
In der Phase-III-Studie, über die Rolf Issels von der Ludwig-Maximilians-Universität München und Mitarbeiter in acht weiteren Zentren berichten, wurden über zehn Jahre 341 Patienten mit Hochrisiko-Weichteilsarkom behandelt.
Alle Patienten erhielten prä- und postoperativ jeweils vier Zyklen einer Chemotherapie (Etoposid, Ifosfamid und Doxorubicin), die bei 169 Patienten mit einer regionalen Hyperthermie kombiniert wurde. An die Operation schloss sich, sofern indiziert, eine Radiotherapie an.
Die Hyperthermie erfolgte jeweils am ersten und vierten Tag einer Chemotherapie. Dabei wurde die Tumorregion jeweils für 1 Stunde auf 42°C erwärmt. Die Tumorzellen bilden dann Hitzeschockproteine aus, die in das körpereigene Immunsystem eingreifen, berichtet Issels. Dadurch würden die Zellen angreifbarer für natürliche Abwehrprozesse sowie für die Auswirkungen der Chemotherapie.
Diese positive Wirkung machte sich bereits nach den Behandlungen in der präoperativen Phase bemerkbar: Die Tumoren vergrößerten sich nur bei 6,8 Prozent der Patienten gegenüber 20,6 Prozent bei alleiniger Chemotherapie. Die krankheitsfreie Zeit nach der Operation konnte im Durchschnitt um 14 Monate verlängert werden. Auch das Gesamtüberleben konnte von 33 auf 54 Monate verbessert werden.
Die regionale Hyperthermie blieb allerdings nicht ohne Nebenwirkungen. Die Rate von schweren Leukopenien (vermutlich durch Erwärmung des Knochenmarks) war erhöht, und es gab auch einige „Hitzeschäden“: Die hohen Temperatur wurden von jedem zweiten Patienten als schmerzhaft empfunden und bei einigen kam es sogar zu Hautverbrennungen oder Gewebenekrosen. © rme/aerzteblatt.de
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